Die Einladung des Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) an die AfD
steht und bringt die AfD unter Zugzwang - und das von gleich zwei
Seiten: Für all die völkischen Rassisten und stumpfen Fremdenfeinde in
der AfD war allein die Erwägung der Parteispitze, das Dialogangebot der
Muslime anzunehmen, ein himmelschreiender Verrat an der vermeintlich
gemeinsamen Sache. Für jene bürgerlichen Schichten hingegen, die in der
AfD immer noch eine konservative und potentiell konstruktive
Partei sehen, wäre die Verweigerung eines bloßen Gespräches mit den
Muslimen ein Beleg, dass die AfD doch viel weiter rechts steht und die
Ausgrenzung einer ganzen Bevölkerungsgruppe viel pauschaler und
kategorischer betreibt, als von deren Vertretern in Talkshows und
Interviews gemeinhin behauptet wird. Eine Ablehnung des
Gesprächsangebotes könnte die AfD also massiv Stimmen kosten und gerade
deren bürgerlichen Gegner ein schlagendes Argument bieten.
Keine
Frage: Die AfD steht angesichts dieser Situation unter Stress. Bisher
wollten Petry und Gauland es allen recht machen, den Rechtsradikalen und
den Konservativen. In diesem Fall wird das aber kaum möglich sein. Der
doppelte Druck ist offenbar so hoch, dass einige AfD-Helden bereits die
Formation verlassen und sich wie Alice Weidel unter fadenscheinigen
Argumenten dem Gespräch verweigern, um sich zumindest persönlich aus der innerparteilichen Schusslinie zu nehmen. Herr Mazyek weiss um die
Bruchlinien innerhalb der rechtsalternativen "Bewegung". Und er agiert angesichts dieser Lage nicht nur außerordentlich
geschickt, sondern auch inhaltlich konsistent. Denn tatsächlich gilt es, die AfD zu stellen
und deren Vertreter mit ihren eigenen Aussagen sowie organisatorischen
Verstrickungen in extremistische Milieu zu konfrontieren. Dem Zentralrat
der Muslime in Deutschland gelingt, woran Journalisten und Politiker
der Regierungsparteien so oft scheitern.