Peter Radunski, der frühere CDU-Bundesgeschäftsführer, fordert von seiner Partei, die Isolation der AfD aufzuheben. Die Union solle lieber Koalitionen mit der rechten Partei bilden, am besten gleich nach den anstehenden Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern.
Der Vorschlag geht ins Leere. Weder CDU noch CSU werden mit der AfD koalieren. In beiden Parteien ist
man sich im Klaren darüber, dass die Christdemokratie in einem solchen
Fall ihren Status als grosse Volkspartei dauerhaft einbüssen würde. Eine
Partei, die völkische Nationalisten zu Regierungsämtern verhelfen
würde, wäre für einen Grossteil ihrer Wähler nicht wählbar. Das gilt
auch und insbesondere für kirchlich gebundene Christen. Wichtiger
erscheint, dass sich die Union von den Rechtsalternativen nicht mehr die
Themen und teilweise sogar die zweifelhafte Wortwahl diktieren lässt.
Willkommen auf dem persönlichen Blog von Philipp Freiherr von Brandenstein: Schwerpunktthemen sind die politische Kultur in Deutschland und Europa, insbesondere die deutsche und internationale Politik sowie die Themen Sicherheit und Verteidigung, Freiheit und Vielfalt sowie die Zukunft der offenen Gesellschaft.
Mittwoch, 31. August 2016
Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: Sahra Wagenknecht fischt im Trüben
Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und Sahra Wagenknecht fischt
wieder im Trüben. Selbst den sprachlichen Duktus ihrer braunen
Konkurrenz ("gegen die herrschende Politik") hat sie mittlerweile fast
vollumfänglich übernommen. AfD-Vize Alexander Gauland, der sonst gerne
von einer angeblichen Umvolkung schwadroniert, meinte jüngst, Frau
Wagenknecht sei eigentlich nur in der falschen Partei. Wäre Herr Gauland
ein besserer Historiker, so wüsste er, dass das nicht stimmt. Frau Wagenkecht
bewegt sich sehr eng und wohlkalkulierend entlang der zweifelhaften
illiberalen Traditionslinien ihrer Partei. Manche bei SPD und Grünen
wiederum scheinen der etwas neueren Tradition ihrer Parteien
verpflichtet, diese antidemokratischen Tendenzen der linken Populisten
zu übersehen und zu relativieren. Das aber wäre ein potentiell
folgenschwerer Fehler. Auch in diesem Fall gilt: Nicht wegsehen!
AfD und NPD: Meuthens ruchloses Angebot
AfD-Bundeschef Jörg Meuthen hält nichts von einer strikten Abgrenzung seiner Partei
von der NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Man könne sich ganz im Gegenteil auch eine Unterstützung der rechtsextremen NPD vorstellen, so meldet es heute die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
Dass die AfD sich auch weiterhin nicht konsequent von Rechtsextremisten abgrenzt, ist keine Neuigkeit. Interessant ist vielmehr, dass Herr Meuthen mit dieser Wortmeldung nicht nur um die Stimmen radikaler Wutbürger wirbt, sondern auch dem harten neonazistischen Bewegungsmilieu ein Angebot nach dem Motto "Getrennt marschieren, vereint schlagen" unterbreitet: Agitiert nicht gegen uns, ruft Meuthen der NPD zu. Denn kommen wir erst in die Parlamente, dann heben wir Eure politische Isolation Schritt für Schritt auf, beenden Eure Quarantäne und wenden uns konsequent gegen Programme und Massnahmen gegen Rechtsextremismus.
Herr Meuthen signalisiert damit auch dem völkisch-nationalistischen Flügel der AfD seine Unterstützung. Der vermeintlich doch so bürgerliche FH-Professor Meuthen zeigt dem Wähler wie auch der in Machtkämpfen steckenden AfD seine ruchlose Seite. Denn er und alle seine Parteifreunde wissen, dass eine rechte Partei mit Skrupeln irgendwelcher Art nur wenig erreichen kann.
Dass die AfD sich auch weiterhin nicht konsequent von Rechtsextremisten abgrenzt, ist keine Neuigkeit. Interessant ist vielmehr, dass Herr Meuthen mit dieser Wortmeldung nicht nur um die Stimmen radikaler Wutbürger wirbt, sondern auch dem harten neonazistischen Bewegungsmilieu ein Angebot nach dem Motto "Getrennt marschieren, vereint schlagen" unterbreitet: Agitiert nicht gegen uns, ruft Meuthen der NPD zu. Denn kommen wir erst in die Parlamente, dann heben wir Eure politische Isolation Schritt für Schritt auf, beenden Eure Quarantäne und wenden uns konsequent gegen Programme und Massnahmen gegen Rechtsextremismus.
Herr Meuthen signalisiert damit auch dem völkisch-nationalistischen Flügel der AfD seine Unterstützung. Der vermeintlich doch so bürgerliche FH-Professor Meuthen zeigt dem Wähler wie auch der in Machtkämpfen steckenden AfD seine ruchlose Seite. Denn er und alle seine Parteifreunde wissen, dass eine rechte Partei mit Skrupeln irgendwelcher Art nur wenig erreichen kann.
Montag, 29. August 2016
Dieser Dialog ist keine Außenpolitik
„The Times“ aus London schreibt: „Während der Westen besessen
ist vom Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), gehen die
meisten Toten in Syrien auf das Konto der Regierungstruppen und Assads
blutverschmiertem Kampfgenossen: Wladimir Putin. Exakte Zahlen sind aus
Kriegsgebieten zwar nur schwer zu bekommen, aber das syrische Netzwerk
für Menschenrechte berichtet, dass die Hälfte der 204 Massaker in den
ersten sechs Monaten dieses Jahres von Assads Militär verübt wurde, während russische Streitkräfte für 66 derartige Vorfälle verantwortlich sein sollen. Wie diese Zeitung am vergangenen Freitag berichtete, hat Moskau
wahrscheinlich mehr syrische Zivilisten getötet als der IS - obwohl
Putin im Vergleich erst seit einem Drittel der Zeit in Syrien aktiv ist.
Das liegt mit daran, dass sich Putin - anders als unsere eigenen
Militärs - nicht um sogenannte Kollateralschäden kümmert. Er lässt
Methoden der Bombardierung anwenden, die bereits in der
tschetschenischen Hauptstadt Grosny erprobt worden waren - und er
vergießt keine Träne, wenn seine Bomben Krankenhäuser oder Schulen
treffen.“
Das Auswärtige Amt und Frank-Walter Steinmeier kennen diese Fakten. Doch sie ignorieren diesen Umstand, um die Gespräche mit Russland nicht zu belasten. Das gleiche gilt für die russischen Kriegsführung in der Ost-Ukraine. Nach Steinmeiers Lesart ist Russland dort nicht einmal Kriegspartei, sondern wird vielmehr als eine Art unbeteiligter Anrainer, wenn nicht gar Mittler, verstanden.
Es ist wahr: In der internationalen Politik muss man auch mit Mördern und Kriegsverbrechern sprechen, um Lösungen zu finden und um wenigstens ein Mindestmaß an Sicherheit zu schaffen. Und doch ist internationale Politik noch immer Politik und in diesem Sinne gehört es nicht zu ihren Merkmalen, dass jene Probleme, die Politik lösen soll, im Sinne des guten Einvernehmens nicht einmal angesprochen werden. Der Dialog, den der Außenminister mit seinem russischen Kollegen und Duzfreund Lawrow führt, ist freundlich, aber inhaltsleer. Er relativiert Grundsätze und Normen des Völkerrechts und unterläuft eine gemeinsame europäische Haltung. Ein solches Geplänkel mag den Interessen deutscher und russischer Energieunternehmen dienen, es ist aber keine Außenpolitik. Eine solche liebesdienerische Unverbindlichkeit ist noch nicht einmal gute Diplomatie.
Das Auswärtige Amt und Frank-Walter Steinmeier kennen diese Fakten. Doch sie ignorieren diesen Umstand, um die Gespräche mit Russland nicht zu belasten. Das gleiche gilt für die russischen Kriegsführung in der Ost-Ukraine. Nach Steinmeiers Lesart ist Russland dort nicht einmal Kriegspartei, sondern wird vielmehr als eine Art unbeteiligter Anrainer, wenn nicht gar Mittler, verstanden.
Es ist wahr: In der internationalen Politik muss man auch mit Mördern und Kriegsverbrechern sprechen, um Lösungen zu finden und um wenigstens ein Mindestmaß an Sicherheit zu schaffen. Und doch ist internationale Politik noch immer Politik und in diesem Sinne gehört es nicht zu ihren Merkmalen, dass jene Probleme, die Politik lösen soll, im Sinne des guten Einvernehmens nicht einmal angesprochen werden. Der Dialog, den der Außenminister mit seinem russischen Kollegen und Duzfreund Lawrow führt, ist freundlich, aber inhaltsleer. Er relativiert Grundsätze und Normen des Völkerrechts und unterläuft eine gemeinsame europäische Haltung. Ein solches Geplänkel mag den Interessen deutscher und russischer Energieunternehmen dienen, es ist aber keine Außenpolitik. Eine solche liebesdienerische Unverbindlichkeit ist noch nicht einmal gute Diplomatie.
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Samstag, 20. August 2016
Über Symbolpolitik und wirklich notwendige Debatten
Mit innerer Sicherheit hat die eigenartige, und übrigens ebenfalls aus
den Ausland importierte, Burka-Debatte tatsächlich nichts zu tun.
Katalysator der Auseinandersetzung ist vielmehr ein bemerkenswertes Maß
an innerer Verunsicherung. Eine offenbar tiefe Unsicherheit im Hinblick
auf unsere eigene Identität sorgt für angesichts der Irrelevanz des
Themas teils völlig übersteigerte, teils schrille Abwehrmechanismen. Wer
sind wir, wer wollen wir sein? Diese Frage muss immer wieder neu
gestellt werden, denn ohne geteilte Identitäten ist Gesellschaft und ein
auf gesellschaftlichen Binnenverhältnissen und Normen fußendes und
resultierendes Staatswesen kaum denkbar. Wie wichtig sind uns Toleranz,
Kosmopolitismus und Grundrechte als Identitätsbausteine? Wie wichtig
sind uns Religion und Abstammung? Und was folgt daraus? Wie wichtig ist
uns Heterogenität oder im Gegenteil eben Homogenität und der Zwang,
diese durchzusetzen? Diese Fragen beschäftigen viele Menschen auf die
eine oder andere Weise: Manche sind der Meinung wir müssten so ziemlich
alles, was in 70 Jahren erreicht wurde, zur Disposition stellen und neu
verhandeln. Manche plädieren dafür, das Erreichte zu bewahren und darauf
aufbauend weiter nach Fortschritt zu streben. Was im Ergebnis steht,
ist relativ offen. Aber diese Debatte ist es wenigstens wert, geführt zu
werden. Und um diese notwendige Debatte aber in konstruktiver und
würdiger Weise führen zu können, wird man Visionäre brauchen, vor allem
aber Integratoren und Moderatoren. Aus Unsicherheit und
Identitätskonflikten entstandene Wut und Populismus - leider allzu
dominante Strömungen unserer gegenwärtigen Debattenkultur - sind
hingegen destruktive Kräfte.
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Mittwoch, 10. August 2016
Populismus ist die Negation der Politik - Grund genug, sich die politische Agenda nicht von Populisten diktieren zu lassen
Angesichts mancher Wortmeldungen und Vorstöße der letzten Zeit fragt man
sich langsam doch, ob wir in Deutschland nicht langsam in
"österreichische Verhältnisse" abdriften. Die politische Agenda wird
dort schon längst von der extremen Rechten entworfen und haben diese
fragwürdigen Stichwortgeber erst einmal einen Stein ins Rollen gebracht,
laufen nahezu alle relevanten Akteure verzweifelt hinterher und
versuchen, die Populisten in Ton und Inhalt zu imitieren. Gerade in
Österreich hat sich aber auch längst
bewiesen, dass ÖVP und SPÖ diesen Profilierungswettberb mit der FPÖ
nicht gewinnen können, sondern diese nur stärken. Erschöpft, verzweifelt
und orientierungslos, wie sie nach langen Jahren unter dem Druck
ständiger Erosion geworden sind, finden sie trotzdem nicht die Kraft,
aus dieser Spirale auszubrechen. Nicht nur in den ostdeutschen
Bundesländern ist die AfD gar nicht mehr soweit davon entfernt, jene
Rolle im politischen Agenda Setting einzunehmen, die sich die FPÖ durch
das Anschüren primitiver Ressentiments sowie durch eine manchmal
geradezu bizarre Scham- und Skrupellosigkeit erarbeitet hat. Die Markus
Söders und Sarah Wagenknechts laufen den Rechtspopulisten schon lange
hinterher. Mittlerweile experimentieren aber auch Politiker aus der
bürgerlichen Mitte und aus der Sozialdemokratie damit, aus den Brunnen
zu schöpfen, die von den Feinden der offenen Gesellschaft vergiftet
wurden. Dieses Fischen im Trüben rächt sich garantiert. Schon der
Versuch ist schädlich und letztlich ein kopfloser Raubbau an der eigenen
Substanz und Identität. Haben wir es angesichts all dessen, was in
Deutschland und Europa erreicht wurde, tatsächlich nötig uns von
kleinmütigen, von Neid, Hass und Versagensängsten zerfressenen
Panikmachern treiben zu lassen? Sicher nicht. Konservative,
Sozialdemokraten, Grüne und Liberale sind gut beraten, sich der Lösung
realer Herausforderungen anzunehmen anstatt sich von destruktiven
populistischen Stichwortgebern in die Irre führen zu lassen. Wenn
Politik die Lösung von Problemen und Konflikten darstellt, dann ist
Populismus nichts anderes als die Negation von Politik. In dieser
Negation liegt eine ungeheure Versuchung: Komplexität wird reduziert,
Schuldige sind schnell gefunden, all die Zumutungen und Irritationen der
Pluralität verschwinden. Doch wer sich dieser Versuchung hingibt,
entzieht der Demokratie die Grundlage.
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