Willkommen auf dem Blog von Philipp v. Brandenstein: Schwerpunktthemen sind deutsche und internationale Politik sowie Integration, Migration, Vielfalt und die Zukunft der offenen Gesellschaft.
Samstag, 20. August 2016
Über Symbolpolitik und wirklich notwendige Debatten
Mit innerer Sicherheit hat die eigenartige, und übrigens ebenfalls aus
den Ausland importierte, Burka-Debatte tatsächlich nichts zu tun.
Katalysator der Auseinandersetzung ist vielmehr ein bemerkenswertes Maß
an innerer Verunsicherung. Eine offenbar tiefe Unsicherheit im Hinblick
auf unsere eigene Identität sorgt für angesichts der Irrelevanz des
Themas teils völlig übersteigerte, teils schrille Abwehrmechanismen. Wer
sind wir, wer wollen wir sein? Diese Frage muss immer wieder neu
gestellt werden, denn ohne geteilte Identitäten ist Gesellschaft und ein
auf gesellschaftlichen Binnenverhältnissen und Normen fußendes und
resultierendes Staatswesen kaum denkbar. Wie wichtig sind uns Toleranz,
Kosmopolitismus und Grundrechte als Identitätsbausteine? Wie wichtig
sind uns Religion und Abstammung? Und was folgt daraus? Wie wichtig ist
uns Heterogenität oder im Gegenteil eben Homogenität und der Zwang,
diese durchzusetzen? Diese Fragen beschäftigen viele Menschen auf die
eine oder andere Weise: Manche sind der Meinung wir müssten so ziemlich
alles, was in 70 Jahren erreicht wurde, zur Disposition stellen und neu
verhandeln. Manche plädieren dafür, das Erreichte zu bewahren und darauf
aufbauend weiter nach Fortschritt zu streben. Was im Ergebnis steht,
ist relativ offen. Aber diese Debatte ist es wenigstens wert, geführt zu
werden. Und um diese notwendige Debatte aber in konstruktiver und
würdiger Weise führen zu können, wird man Visionäre brauchen, vor allem
aber Integratoren und Moderatoren. Aus Unsicherheit und
Identitätskonflikten entstandene Wut und Populismus - leider allzu
dominante Strömungen unserer gegenwärtigen Debattenkultur - sind
hingegen destruktive Kräfte.
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