Der Schock und die Trauer sitzen tief. Nur wenige Monate nach Paris schon wieder ein verheerender terroristischer Anschlag. Wer jetzt aber im Angesicht des Terrorismus nach autoritären Antworten, nach
einer Politik innergesellschaftlicher Ausgrenzung und nach einer
Einschränkung der Bürgerrechte ruft, ist eingeladen, seinen Blick auf
die Türkei zu richten. Dort kann man sehr luzide nachvollziehen, was
nicht funktioniert im Kampf gegen den Terror. Wir Europäer dürfen uns
von den Terroristen nicht unsere Art zu leben vorschreiben lassen, denn
das ist, was sie wollen. Repressive Schnellschüsse wären kontraproduktiv
und würden europäische Werte von innen aushöhlen.
Mit
pazifistischer Naivität, Untätigigkeit oder gar mit Fatalismus dürfen
die Europäer aber ebenfalls nicht reagieren. Was wir angesichts der
realen Bedrohungen tatsächlich brauchen, sind eine vertiefte europäische
Zusammenarbeit auf dem Feld der inneren Sicherheit - denkbar sind eine
europäische Bundespolizei und ein weitgehend automatisierter
europäischer Datenaustausch hinsichtlich terrorrelevanter Erkenntnisse -
sowie die Schaffung aller Mittel und Instrumente einer gemeinamen
europäischen Außen- und Sicherheitspolitik.
Willkommen auf dem persönlichen Blog von Philipp Freiherr von Brandenstein: Schwerpunktthemen sind die politische Kultur in Deutschland und Europa, insbesondere die deutsche und internationale Politik sowie die Themen Sicherheit und Verteidigung, Freiheit und Vielfalt sowie die Zukunft der offenen Gesellschaft.
Donnerstag, 24. März 2016
Montag, 14. März 2016
Am Rande: Die AfD-"Wahlbeobachter" sind verstummt
Nur am Rande: Das über Wochen zelebrierte verschwörungstheoretische
Geseire vieler AfD-Politiker und Anhänger von den angeblich
systematischen Wahlfälschungen im Auftrag von Regierung und
Systemparteien ist buchstäblich über Nacht verstummt. Und zwar komplett.
Auch von den zahlreichen rechten Lautsprechern, die über Twitter und
Facebook unermüdlich ankündigten, für die AfD als "Wahlbeobachter" über
haarsträubende Manipulationen und tausendfachen Stimmenklau zu
berichten, hat man bereits kurz nach der ersten Prognose nichts mehr
gehört. So viel also zum Substanzgehalt der rechtsalternativen
Systemkritik.
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Nicht von Rechtspopulisten treiben lassen - Es ist Zeit für Gesellschaftspolitik
Am Wahlerfolg der AfD gibt es nichts zu verharmlosen oder zu
relativieren. Protest spielte eine Rolle, aber viele Bürger haben sich bewusst für eine Partei entscheiden, die sich teils nicht einmal mehr die Mühe macht, Ihre Verbindungen in rechtsextreme Milieu zu verhehlen. Alle haben die Äußerungen von AfD-Parteigrößen vernommen, wonach Grenzer auf Flüchtlinge, auch Frauen und Kinder, schießen sollten. Heute kann niemand mehr behaupten, er habe nicht gewusst, was für fragwürdige Personen sich da den Weg in die Parlamente bahnen. Viele Mitbürger, vielleicht abgestumpft durch die Enthemmung im Internet, hat das aber nicht mehr gestört. Etwas ist in Teilen unserer Gesellschaft in die Schieflage geraten. Und die oft von links bemühten sozialen Erklärungsmuster greifen nicht. Die Mischung aus Protest und Ressentiment zieht sich quer durch alle Schichten, Milieus und Erwerbsformen.
Es ist also an der Zeit, einen grundsätzlichen Diskurs über unsere demokratische Kultur und über den Zustand unserer Gesellschaft zu eröffnen. Hier sind auch die gegenwärtig fast völlig abgetauchten Intellektuellen gefordert. Aber auch Parteien und andere Akteure müssen aus ihre Lähmung überwinden wie auch die seit Sonntag nicht schwächer gewordene Versuchung, den Verlockungen des Populismus doch einen Schritt weit nachzugeben. Die demokratischen Parteien stehen nun vielmehr in der Pflicht, das immer noch überzeugende Votum ihrer Wähler (noch immer stimmen 75% (Sachsen-Anhalt) bis 87% (Rheinland-Pfalz) der Wähler eben nicht für die Rechten) für eine offene und tolerante Gesellschaft umzusetzen statt sich von destruktiven Kräften treiben zu lassen. Statt ihrerseits ängstlich Zuflucht in überkommenden Vorstellungen von Staat und Nation zu nehmen, müssten Parteien und Zivilgesellschaft ein demokratisches Projekt und für eine moderne kosmopolitische Gesellschaft skizzieren, das eben nicht durch nationale Kategorien begrenzt wird. Hier liegt durchaus noch Raum für kreative Ansätze. Es ist Zeit für Gesellschaftspolitik.
Es ist also an der Zeit, einen grundsätzlichen Diskurs über unsere demokratische Kultur und über den Zustand unserer Gesellschaft zu eröffnen. Hier sind auch die gegenwärtig fast völlig abgetauchten Intellektuellen gefordert. Aber auch Parteien und andere Akteure müssen aus ihre Lähmung überwinden wie auch die seit Sonntag nicht schwächer gewordene Versuchung, den Verlockungen des Populismus doch einen Schritt weit nachzugeben. Die demokratischen Parteien stehen nun vielmehr in der Pflicht, das immer noch überzeugende Votum ihrer Wähler (noch immer stimmen 75% (Sachsen-Anhalt) bis 87% (Rheinland-Pfalz) der Wähler eben nicht für die Rechten) für eine offene und tolerante Gesellschaft umzusetzen statt sich von destruktiven Kräften treiben zu lassen. Statt ihrerseits ängstlich Zuflucht in überkommenden Vorstellungen von Staat und Nation zu nehmen, müssten Parteien und Zivilgesellschaft ein demokratisches Projekt und für eine moderne kosmopolitische Gesellschaft skizzieren, das eben nicht durch nationale Kategorien begrenzt wird. Hier liegt durchaus noch Raum für kreative Ansätze. Es ist Zeit für Gesellschaftspolitik.
Sonntag, 13. März 2016
Wegschauen geht nun nicht mehr
3.000 Rechtsextreme, von AfD-Nationalisten bis hin zu
Neonazi-Kameradschaften, demonstrierten gestern, vereint in ihrem Hass. Ort des
Geschehens war diesmal aber nicht Heidenau oder Clausnitz, sondern Berlin-Mitte,
wenige hundert Meter vom Kanzleramt und vom Bundestag entfernt. Die
Zielsetzung dieser bizarren Veranstaltung war eindeutig: Man
demonstrierte den Anspruch auf die Macht auf den Straßen, in der Provinz
und in der Hauptstadt. Wegschauen geht nun nicht mehr. Der braune Mob
steht buchstäblich vor dem Toren der
demokratischen Institutionen. Wer verhindern möchte, dass diese Gruppen
schrittweise tatsächlich die Kontrolle übernehmen, sollte Haltung und
Zivilcourage zeigen, wenn der braune Spuk um sich greift. Denn viel zu
oft und gefühlt immer öfter agieren die Rechten im öffentlichen Raum,
ohne auf Widerspruch zu treffen. Zumindest sollten die um das
demokratische und weltoffene Deutschland tatsächlich besorgten Bürger wieder wählen gehen.
#Wahlen 2016
Jetzt wird ernst. Die Rechtspopulisten feiern Erfolge in Ost und West.
Der Hass und die Häme von der Strasse und aus dem Internet zieht nun ein
in die Parlamente. Jetzt müssen sich die demokratischen Parteien und
Politiker auf ihre Gemeinsamkeiten besinnen, miteinander kooperieren und
sich unmissverständlich von den Kräften der Intoleranz und des
Nationalismus abgrenzen. Vor allem müssen jetzt schnell und ohne taktische Überlegungen handlungsfähige Regierungen gebildet werden. Es geht um viel.
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