Das erscheint mir
wie eine Mahnung angesichts eines teilweise entgleisten politischen
Diskurses, in dem ethnische oder kulturelle Merkmale von manchen
Stichwortgebern wieder zur gültigen Kategorie erhoben werden und eine
daraus vermeintlich folgende Determination oder Prädisposition
postuliert wird. Ein Diskurs, in dem Wissenschaftsfeindlichkeit
grassiert, Regierungen als Instrumente von globalen Verschwörungen
gesehen werden und Phantasien über kulturelle Homogenität, ethnische
Reinheit und vermeintlich glückliche Urzustände blühen, in denen die
komplizierte Pluralität sowie die sie begleitenden zivilisatorisch
ausgehandelten Werte, Normen und Institutionen aufgehoben sind.
Willkommen auf dem persönlichen Blog von Philipp Freiherr von Brandenstein: Schwerpunktthemen sind die politische Kultur in Deutschland und Europa, insbesondere die deutsche und internationale Politik sowie die Themen Sicherheit und Verteidigung, Freiheit und Vielfalt sowie die Zukunft der offenen Gesellschaft.
Freitag, 2. September 2016
Timothy Snyder: Kann sich eine Katastrophe wie der Holocaust wiederholen?
Kann sich eine Katastrophe wie der Holocaust wiederholen? Dieser
Frage geht der amerikanische Historiker Timothy Snyder in seinem Buch
"Black Earth" nach. In einer teilweise historischen, teils
politikwissenschaftlichen Analyse untersucht Herr Snyder Faktoren,
welche den Holocaust ermöglichten bzw. ihm entgegenstanden. In seinem
Resümee kommt Timothy Snyder zu dem Schluss, dass sich ein
Menschheitsverbrechen wie der Holocaust durchaus wiederholen können.
Einige zentrale Grundbedingungen seien erhalten geblieben:"Wir leben immer noch auf demselben Planeten wie Hitler, und wir haben
zum Teil dieselben Sorgen; wir haben uns viel weniger verändert als wir
glauben. Wir lieben unseren Lebensraum, wir fantasieren davon,
Regierungen zu zerstören, wir lästern über die Wissenschaft, wir träumen
von der Katastrophe. Wenn wir glauben, wir seien Opfer irgendeiner
globalen Verschwörung, dann kommen wir Hitler ziemlich nahe. Wenn wir
glauben, der Holocaust sei die Folge der angeborenen Merkmale von Juden,
Deutschen, Polen, Litauern Ukrainern oder irgendjemanden sonst, dann
befinden wir uns inmitten von Hitlers Welt."
Donnerstag, 1. September 2016
Giftgas-Einsatz: Putin schützt Assad
Ein "starkes Russland" wünsche er sich. So wurde der ehemalige
Bundeskanzler Gerhard Schröder gestern in einer meldung des NDR zitiert. Ebenfalls gestern hat eben dieses "starke Russland" im UNO-Sicherheitsrat verhindert, dass sein syrischer
Verbündeter Assad wegen Giftgasangriffen gegen die Zivilbevölkerung
belangt wird, welche durch eine Kommission der UNO zweifelsfrei
nachgewiesen und dokumentiert wurden. Zu dieser Dokumentation gehören
Videoaufnahmen von Kindern, die an Chlorgas ersticken. Diese Verbrechen,
diese Schande bleibt bestehen. Man wird sich erinnern, an Täter und
Komplizen. Und kein Geld der Welt kann diese Schande tilgen.
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