Der
designierte Präsident Macron startet sein ehrgeiziges Reformprojekt mit
dieser schweren Hypothek. Kann er diese Menschen, zumindest einige von
ihnen, erreichen? Und was können wir anderen Europäer tun, um diese
Menschen wieder zu integrieren und Frankreich Stabilität zu geben? Sich
zu diesem Thema vertiefte Gedanken zu machen, liegt in unserem
ureigensten Interesse. Denn ohne ein stabiles und demokratisches
Frankreich wird es kein erfolgreiches Europa geben. Das weiss Le Pen und
das weiss auch Putin. Der nächste Angriff auf Europas Demokratien kommt
bestimmt. Nächstes Mal könnten sie Erfolg haben.
Willkommen auf dem persönlichen Blog von Philipp Freiherr von Brandenstein: Schwerpunktthemen sind die politische Kultur in Deutschland und Europa, insbesondere die deutsche und internationale Politik sowie die Themen Sicherheit und Verteidigung, Freiheit und Vielfalt sowie die Zukunft der offenen Gesellschaft.
Donnerstag, 11. Mai 2017
Der nächste Angriff auf Europas Demokratien kommt bestimmt
Macron hat es also tatsächlich geschafft. Der 7. Mai war ein guter Tag für Europa. Und doch schmerzt die Tatsache, dass
Marine Le Pen von nicht weniger als 10,6 Millionen Franzosen gewählt
wurde. Mehr als zehn Millionen Franzosen, sie alle auch Bürger Europas,
haben ihre Stimme einer Faschistin gegeben, die ihren Wahlkampf mit
russischen Krediten und mit Mitteln ihres offen nationalsozialistischen
und antisemitischen Vaters finanzierte. Auch dass Le Pen Unterstützung
von mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit denselben
Hackern erhalten hat, die bereits Hillary Clinton, den Bundestag und
die CDU attackiert hatten und die eindeutig auf den Befehl russischer
Geheimdienstkreise hören, hat diese zehn Millionen Europäer offenbar
nicht irritiert.
Mittwoch, 10. Mai 2017
Kiel wirkt - Keine Koalition mit Linkspartei
Kiel wirkt. Und auch die französischen Wahlen zeigen in Deutschland
erste Effekte. Nach der zweiten Wahlniederlage hat Martin Schulz in
einer Rede vor Wirtschaftsvertretern eine Koalition mit der Partei "Die
Linke" praktisch ausgeschlossen. Unter seiner Führung werde es nur eine
Koalition geben, "die pro-europäisch ist und wirtschaftliche Vernunft" gelten lässt. Deutlich genug.
(vgl. FAZ, "Nicht mal mehr auf Augenhöhe@, S.3)
(vgl. FAZ, "Nicht mal mehr auf Augenhöhe@, S.3)
Dienstag, 9. Mai 2017
George Orwell war ein Sozialist, Sarah Wagenknecht ist keine.
Worin besteht der entscheidende Unterschied zwischen einem Sozialisten
und einem rotlackierten Faschisten? Ein Sozialist kämpft für Freiheit
und Gleichheit gleichermaßen, weil er weiß, dass diese beiden sich
einander bedingen, und eine Absolutsetzung der Gleichheit in humanitäre
Katastrophen und zu Menschheitsverbrechen führt. Ein Sozialist aber
steht auf der Seite der Menschenrechte, immer und für alle Menschen. Und
keine noch so idealistisch kostümierte Ideologie rechtfertigt es in
sienen Augen, den Menschen diese elementaren Rechte vorzuenthalten oder
gar zu nehmen. Und deshalb zieht ein Sozialist die Demokratie und andere
Demokraten autoritären Gewaltherrschern und faschistischen Demagogen
immer vor. George Orwell war ein Sozialist, Sarah Wagenknecht ist keine.
Sonntag, 7. Mai 2017
Macron
Ja, es geht eben auch anders: Man kann Wahlen mit einem Bekenntnis zu
Europa gewinnen. Man muss die Nationalchauvinisten nicht nachahmen. Man
kann Wähler auch überzeugen, ohne Flüchtlinge als Sündenböcke zu
mißbrauchen und gegen die Globalisierung zu wüten. Europa,
Gesellschaftspolitik, Wirtschaftsreformen, kulturelle, ökonomische und
politische Offenheit können ab heute nicht mehr pauschal als
"Verliererthemen" abgetan werden. Es bewegt sich etwas. Diese
französische Revolution könnte eine europäische werden.
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Freitag, 5. Mai 2017
Bundeswehr: Ursula von der Leyen entschuldigt sich. Das Problem Rechtsextremismus aber bleibt bestehen.
Bundesministerin Ursula von der Leyen entschuldigt sich bei einer
Zusammenkunft mit ihrer Generalität für Pauschalkritik an der Bundeswehr, meldet die FAZ. Die Entschuldigung der Ministerin war angebracht. Dass Frau v. d. Leyen
hier über ihren Schatten springt, verdient Respekt. Das Phänomen
Rechtsextremismus aber muss natürlich ernst genommen werden. Und zwar
viel ernster als bisher. Es handelt sich allerdings nicht um ein
Bundeswehrspezifikum, sondern betrifft die ganze Gesellschaft und damit
alle Bundesbehörden und überhaupt alle staatlichen Stellen: Polizei, die
Schulen und Universitäten. Höcke war Lehrer, sein Parteifreund, der
Ariernachweise forderte, Juraprofessor und in Dresden wurde ein
skandalöses (inzwischen in höherer Instanz kassiertes) Gerichtsurteil
zugunsten der NPD von einem offensichtlich rechtsradikal gesinnten
Richter gesprochen; auch dieser Richter ist Mitglied der AfD. Eine
wehrhafte Demokratie darf sich nicht wegducken. Wer gruppenbezogene
Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus fördert, steht nicht
auf dem Boden der Verfassung, der kann Deutschland nicht dienen.
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Dienstag, 2. Mai 2017
Leitkultur - identitäre Politik avant la lettre
Man könnte den Begriff der "Leitkultur" als harmlosen Schwachsinn
abtun, als Chimäre, als inhaltsleeren aber immerhin bierzelttauglichen
Kampfbegriff für anstehende Wahlkämpfe. Denn dass die plakative
Zuspitzung auf "Die" und "Wir" zur politischen Emotionalisierung taugt
und bei entsprechend skrupelloser Verwendung Stimmen bringen kann, ist
schließlich den Wahlkampfstrategen aller Parteien klar.
Harmlos aber ist die Idee einer deutschen Leitkultur tatsächlich nicht. Denn - wenngleich inhaltlich gar nicht definiert - so postuliert der Begriff Leitkultur eben doch, es gäbe eine ursprüngliche, eine homogene Gesellschaft (Populisten nennen das auch gerne "das wahre Volk") mit einheitlichen Wertvorstellungen und Lebensstilen. Und Abweichungen davon. Und genau an diesem Punkt wird es problematisch, denn diese Einteilung - und wer soll die eigentlich vornehmen? - ist nicht nur willkürlich und patriarchalisch, sondern antipluralistisch. Pluralismus aber ist nicht weniger als der Kern einer Demokratie.
Denn das Wesen der Demokratie erschöpft sich eben nicht in der Praxis von Mehrheitsentscheiden. Drei Wölfe und ein Schaf, die darüber abstimmen, was es zum Abendessen gibt, stellen keine demokratische Gesellschaft dar. Mehrheiten, die gesellschaftlichen Minderheiten über die Bestimmungen der Gesetze hinaus, Lebensstile, Moralvorstellungen und Sitten aufzwingen wollen, sind es eben auch nicht. Eine pluralistische Gesellschaft erkennt den Wert der Vielfalt und des dadurch möglichen Wettbewerbes der Ideen, Konzepte und Lebensentwürfen an. Das erst macht sie demokratisch. Denn nur wer wirklich die Wahl hat und Freiheitsräume findet, um sein Leben zu gestalten, lebt in einer Demokratie. Pluralismus und damit untrennbar verbunden die Minderheitenrechte gehören also zum Kern der Demokratie. Ohne sie ist alles nichts.
Das wohl ganz bewusst diffus gehaltene (allein dies macht die Diskussion intellektuell unredlich) Konzept Leitkultur hingegen suggeriert, dass gesellschaftliche Homogenität und nicht der Schutz gesellschaftlicher Vielfalt das überwölbende Staatsziel sei. Ob und bis zu welchem Grad Abweichungen akzeptabel sind oder die Leitkultur zwingend durchgesetzt werden muss, lässt der Begriff ebenso offen wie die Mittel zu deren Durchsetzung. Es sind nicht zuletzt diese Auslassungen, die dazu betragen, dass Leitkultur-Konzepte missbraucht werden, um andere Menschen zu stigmatisieren und auszugrenzen. Es kann nicht verwundern, dass all jene Beifall klatschen, auf deren Agenda diese Punkte ohnehin vermerkt sind.
Leitkultur. Das ist identitäre Politik avant la lettre. Lasst die Finger davon.
Harmlos aber ist die Idee einer deutschen Leitkultur tatsächlich nicht. Denn - wenngleich inhaltlich gar nicht definiert - so postuliert der Begriff Leitkultur eben doch, es gäbe eine ursprüngliche, eine homogene Gesellschaft (Populisten nennen das auch gerne "das wahre Volk") mit einheitlichen Wertvorstellungen und Lebensstilen. Und Abweichungen davon. Und genau an diesem Punkt wird es problematisch, denn diese Einteilung - und wer soll die eigentlich vornehmen? - ist nicht nur willkürlich und patriarchalisch, sondern antipluralistisch. Pluralismus aber ist nicht weniger als der Kern einer Demokratie.
Denn das Wesen der Demokratie erschöpft sich eben nicht in der Praxis von Mehrheitsentscheiden. Drei Wölfe und ein Schaf, die darüber abstimmen, was es zum Abendessen gibt, stellen keine demokratische Gesellschaft dar. Mehrheiten, die gesellschaftlichen Minderheiten über die Bestimmungen der Gesetze hinaus, Lebensstile, Moralvorstellungen und Sitten aufzwingen wollen, sind es eben auch nicht. Eine pluralistische Gesellschaft erkennt den Wert der Vielfalt und des dadurch möglichen Wettbewerbes der Ideen, Konzepte und Lebensentwürfen an. Das erst macht sie demokratisch. Denn nur wer wirklich die Wahl hat und Freiheitsräume findet, um sein Leben zu gestalten, lebt in einer Demokratie. Pluralismus und damit untrennbar verbunden die Minderheitenrechte gehören also zum Kern der Demokratie. Ohne sie ist alles nichts.
Das wohl ganz bewusst diffus gehaltene (allein dies macht die Diskussion intellektuell unredlich) Konzept Leitkultur hingegen suggeriert, dass gesellschaftliche Homogenität und nicht der Schutz gesellschaftlicher Vielfalt das überwölbende Staatsziel sei. Ob und bis zu welchem Grad Abweichungen akzeptabel sind oder die Leitkultur zwingend durchgesetzt werden muss, lässt der Begriff ebenso offen wie die Mittel zu deren Durchsetzung. Es sind nicht zuletzt diese Auslassungen, die dazu betragen, dass Leitkultur-Konzepte missbraucht werden, um andere Menschen zu stigmatisieren und auszugrenzen. Es kann nicht verwundern, dass all jene Beifall klatschen, auf deren Agenda diese Punkte ohnehin vermerkt sind.
Leitkultur. Das ist identitäre Politik avant la lettre. Lasst die Finger davon.
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Montag, 1. Mai 2017
Zum 1. Mai
Wer davon schwadroniert, der Globalisierung "nationale Alternativen" entgegensetzen zu wollen; wer gegen Pluralismus argumentiert und die Universalität der Menschenrechte relativiert; wer die Parole ausgibt, der wahre und eigentliche Feind sei der Liberalismus und nicht etwa die vielgestaltigen Faschisten vom Schlage eines Maduro oder einer Le Pen, der oder die verrät die progressiven und emanzipatorischen Wurzeln der Arbeiterbewegung, der oder die soll nicht von Gerechtigkeit, von Gleichheit oder gar von Freiheit sprechen. Denn Freiheit und Gleichheit schließen sich einander nicht aus, vielmehr bedingen sie sich gegenseitig. Alle Menschen sind Träger unveräusserlicher Menschenrechte, sind frei und gleich geboren, haben das gleiche Recht auf die gleiche Freiheit. Jede politische Bewegung und jede gesellschaftliche Ordnung, die sich dem Ziel der Gerechtigkeit verpflichtet ist, muss dieser Erkenntnis Rechnung tragen. Euch und Ihnen allen einen schönen und kämpferischen 1. Mai. Für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.
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