Das Auswärtige Amt und Frank-Walter Steinmeier kennen diese Fakten. Doch sie ignorieren diesen Umstand, um die Gespräche mit Russland nicht zu belasten. Das gleiche gilt für die russischen Kriegsführung in der Ost-Ukraine. Nach Steinmeiers Lesart ist Russland dort nicht einmal Kriegspartei, sondern wird vielmehr als eine Art unbeteiligter Anrainer, wenn nicht gar Mittler, verstanden.
Es ist wahr: In der internationalen Politik muss man auch mit Mördern und Kriegsverbrechern sprechen, um Lösungen zu finden und um wenigstens ein Mindestmaß an Sicherheit zu schaffen. Und doch ist internationale Politik noch immer Politik und in diesem Sinne gehört es nicht zu ihren Merkmalen, dass jene Probleme, die Politik lösen soll, im Sinne des guten Einvernehmens nicht einmal angesprochen werden. Der Dialog, den der Außenminister mit seinem russischen Kollegen und Duzfreund Lawrow führt, ist freundlich, aber inhaltsleer. Er relativiert Grundsätze und Normen des Völkerrechts und unterläuft eine gemeinsame europäische Haltung. Ein solches Geplänkel mag den Interessen deutscher und russischer Energieunternehmen dienen, es ist aber keine Außenpolitik. Eine solche liebesdienerische Unverbindlichkeit ist noch nicht einmal gute Diplomatie.