Europa wird nun
endlich erwachsen werden müssen. Noch ist nicht absehbar, wie stark sich die
strategischen Gewichte verschieben werden, gewiss scheint aber, dass die
etablierte transatlantische Sicherheitsstruktur sich verändern wird. Die
Führung des Westens, mithin der freien demokratischen Welt, durch die USA und
der amerikanische Schutz europäischer Sicherheitsinteressen können nicht mehr
im vollen Umfang als gegeben verstanden werden. In welchem Ausmass auch immer,
Amerika wird seine Präsenz in Europa und sein Engagement für Europa fühlbar
verringern. Putin wird versuchen, von dieser Gelegenheit zu profitieren. Um
dieser strategischen Herausforderung zu begegnen, müssen die Europäer ihre
Kräfte bündeln und in der Außen-und Sicherheitspolitik endlich handlungsfähig
werden. Das erfordert auch eine größere politische Einigkeit. Die Einigung
Europas wird nun ganz augenscheinlich zu dem, was sie letztlich immer war: Die
notwendige, wenngleich nicht hinreichende Bedingung für die Zukunft des
Westens. Soll das Projekt des Westens diesen Sturm überleben, muss Europa einig
werden und den so erwartbaren wie vielfältigen Spaltungsversuchen von Außen und
Innen widerstehen. Aus dem Weissen Haus wird man sich in den nächsten Jahren
keine normativen Impulse für das Projekt des Westens eröffnen können. Die Idee
der Freiheit muss in Europa überwintern, muss dort weitergedacht und ja, auch
verteidigt werden. Und das letztlich auch und vielleicht gerade für Amerika und
die ideale seiner freiheitlichen Demokratie. Denn ab jetzt braucht Amerika
seine Freunde und Verbündeten und zwar mehr denn je zuvor.
E pluribus unum.
Aus vielen eines. Europa, nun ist es an Dir.