Gestern habe ich mir die Aufnahme des zweiten Teils der ARD-Kurzserie
zum NSU-Komplex angesehen: "Die Opfer - Vergesst mich nicht".
Niederschmetternd. Den zentralen Satz spricht ein Nürnberger
Kriminalbeamter: "Wir haben versagt." Es gibt Tage, da denke ich, wir
alle haben bis heute nicht aufgehört zu versagen, haben nicht aufgehört,
wegzusehen.
Das Bundeskriminalamt verzeichnet in diesem Jahr bereits knapp 270
Attacken auf Flüchtlingsunterkünfte. 2015 waren es insgesamt 1029
Übergriffe gewesen. Wird auch diese Meldung weitgehend
untergehen? Oder werfen die alarmierenden Nachrichten aus dem
Themenkomplex rechter Terrorismus endlich zu konkreten politischen
Maßnahmen führen?
Offenbar überwiegt in weiten Kreisen von Politik und
Gesellschaft immer noch ein angesichts
der Ausmaße des Schreckens kaum nachvollziehbares Desinteresse. Auch die verhaltene Resonsanz auf den besagten Spielfilm über die Opfer der NSU zeugt hiervon. Das Zuschauerinteresse war offenbar wieder erschreckend
gering. Schon den ersten Teil "Die Täter" wollten nur sehr wenige Fernsehzuschauer sehen,
das anstrengende, aber von der Mehrheitsgesellschaft eben nicht als persönliche Bedrohung erachtete Thema nicht in ihr gepflegtes Wohnzimmer lassen. Manchmal glaube
ich, dass das Wegsehen die wahre deutsche Krankheit ist.