Samstag, 17. Oktober 2026

Podcasts

Aus der nahezu omnipräsenten Bewerbung von Podcasts und deren nachgelagerter Besprechung in den Feuilletons ist mittlerweile ein erheblicher sozialer Druck erwachsen - zumindest mir. Einmal wieder hat man das Gefühl etwas wirklich Wichtiges zu verpassen. Das fühlt sich nicht gut an. Folgt man dem Ruf der Selbstoptimierung und durchkreuzt die einschlägigen Foren wird man vom Angebot fast erschlagen.

"Apokalypse und Filterkaffee" wird einem von kundigen Freunden eigentlich fast immer empfohlen. Unterhaltsam, flott, teilweise geistreich. Tatsächlich ist das Format halbwegs zugänglich, was sicher nicht zuletzt der versöhnlichen Art, den zentristischen Positionen und der schönen Stimme des illustren Hosts, Micky Beisenherz, geschuldet ist. 

Leider offenbart dessen Auswahl an Gästen und Ko-Moderatoren manchmal eben doch was für eine enge und teils doch etwas selbstgefällige Bubble der Berliner Republik Populärkultur-Betrieb letztlich ist, die wie eine soziokulturelle Membran wirkt. Wirklich Frisches und Neues kommt da selten durch. Aber immerhin Micky Beisenherz darf man erfrischend finden. So aufgeblasen seine Ko-Hosts und Gesprächspartner manchmal tun und sich dementsprechend sprachlich, so unprätentiös und von taktischen Erwägungen der Selbstvermarktung und Selbstbeweihräucherung redet und argumentiert er. Das hat durchaus etwas. Thomas Melle sollte er mal einladen. Sein Buch "Die Welt im Rücken" hat mich beeindruckt und tatsächlich berührt zurückgelassen. Radikal in Offenheit und Selbstbetrachtung. Davon kann und sollte manch einer lernen, der schreibt.

Selbst ein Ulf Poschardt kultiviert sich in dieser Atmosphäre (war bislang auch der interessanteste Gast). Der schießt zwar - fast immer - über das Ziel hinaus, hat aber durchaus etwas zu sagen. Ganz im Gegensatz zu jedem Angehörigen der politischen Kaste, zu der auch die AfD und Linke gehören. Der Phrasen wirken noch einstudierter, bornierter und verkrampfter als diejenigen aus den Mündern der Repräsentanten der Großen Koalition. Nur Gregor Gysi ist ein kluger, charmanter und geistreicher Lügner und Apologet, aber eben doch ein Lügner. Das Komische: Man kann ihm da irgendwie nicht böse sein. Das Lügen ist hier in verquerer Weise aufrichtiger Ausdruck altadelig-kommunistischer Sozialisierung. Und Lügen ist ja irgendwie auch dialektisch. Er sollte einen Roman schreiben. Die literarische Wahrheit liegt ihm vielleicht mehr als die historische. Die kann man selbst formen. Weistestgehend. Die Tatsache, dass ausgerechnet Gysi einen Podcast ausgerechnet mit KT Guttenberg macht, fand aber sogar ich sehr lustig. KT möge mir den Spott verzeihen.

Was gibt es sonst? Buntes Allerlei...

"Alles auf Aktien": Nicht immer ganz im Bilde und an der Oberfläche, aber immerhin ein guter Überblick.

"Büchermarkt" und "Andruck" auf DLF: Oft informativ und gehaltvoll.

Gabor Steingart: Muss man wohl machen. Innovativ. Finanzteil ganz gut

Alles keine Geistesgrößen. Ijoma Mangold werde ich nun mal versuchen. Der ist klug, belesen und neugierig. Allesamt keine Alleinstellungsmerkmale, aber immerhin ein Hinweis auf lohnenswerte Einsichten.