Nicht weniger als der Zustand unserer Demokratie war in dieser Woche wieder Gegenstand breiter Debatten. Der Verdruss an den Zuständen, am "System" ist mit Händen zugreifen. Wir sehen nicht weniger als eine Erosion dessen, was die politische Identität dieses Landes (oder nur der westlichen Hälfte) lange prägte und stabilisierte: des Verfassungspatriotismus.
Angesichts der eingangs beschriebenen Kakophonie erscheint es an der Zeit, sich wieder zu Wort zu melden. Anders als früher vielleicht, aber wieder vernehmbar. Ich werde den Faden wieder aufnehmen.
Warum und warum jetzt?
Ich hatte mich nie aus dem Diskus verabschiedet, aber sehr wohl aus dieser Diskursebene, die teils doch sehr wertvoll und fruchtbar war. Ich möchte nicht dozieren, sondern Beobachtungen teilen, Fragen stellen und öffentlich und gemeinsam mit Ihnen auch gelegentlich zweifeln. Ein wenig Demut und Offenheit für die Argumente der Anderen kann nicht schaden in einer Zeit, in der Diskurs bestimmt wird von Verkürzungen, Polemisierungen und sogar Dämonisierungen der oder des "Anderen".
Der oder das "Anderen" ist heute allzu oft wieder Feind, eine Kategorie, die man in der politischen Kultur unseres Landes bereits überwunden glaubte. Sie ist zurück, mit voller Macht und mit dem Willen zur Macht. Wer kann und darf da noch weiter schweigen, auch wenn es bequem wäre? Ich kann es nicht (mehr).