Bis jetzt ist immer noch ungeklärt, welches Motiv dem Anschlag in
Dortmund zugrunde lag. Handelte es sich tatsächlich um das Werk von
Islamisten, waren Neonazis oder politische Extremisten ganz anderer
Couleur verantwortlich? Wir wissen es nicht. Klar benannt werden, kann
und muss zum jetztigen Zeitpunkt aber zumindest eines: Wer drei
Sprengsätze gegen einen voll mit Menschen besetzten Bus einsetzt, der
ist ein Terrorist, der begeht einen terroristischen Anschlag und der
muss auch entsprechend bestraft werden. Verlautbarungen, es gebe keine
Anzeichen für einen terroristischen Anschlag, waren angesichts der
Faktenlage bereits gestern irreführend und verharmlosend. Mit solchen
Einlassungen schafft und gewinnt der demokratische Rechtsstaat kein Vertrauen.
Und noch etwas
lässt sich bereits heute konstatieren: Wer auch immer und mit welcher
Motivation auch immer diesen Anschlag begangen hat, er oder sie hat
Vielfalt, Offenheit und Pluralismus attackiert. Denn eindeutiger und
meinetwegen plakativer als im Kader des BVB, der mit erkennbarer
Tötungsabsicht angegriffen wurde, können Diversität sowie kulturelle und
gesellschaftliche Offenheit kaum aufgezeigt und repräsentiert werden.
Im Bus sassen mit und neben Christen und Atheisten auch zahlreiche
Muslime, deutsche Nationalspieler (mit und ohne Migrationsgeschichte)
sassen neben Menschen mit Wurzeln in Japan, Spanien, Eritrea, Gabun, der
Schweiz und der Türkei.
Wussten die Täter darum? Natürlich wussten
sie darum. War diese Vielfalt das eigentliche Ziel der Attacke? Das
werden wir bald wissen. Und bis dahin sollten wir alle schäbigen
Versuche fragwürdiger Kreise, Angst zu verbreiten, Zwietracht zu säen
und aus der gegebenen Situation Kapital zu schlagen, einfach ignorieren.
Denn gerade dadurch senden wir als Gesellschaft eine deutliche und
unmissverständliche Botschaft aus: Wer auch immer hinter dieser
ruchlosen und verabscheuungswürdigen Tat steckt, sie haben keine Chance. Gegen die offene Gesellschaft werden sie verlieren.