$ 42,51 für das Barrel Rohöl. Seit März 2009 war der Rohölpreis nicht so niedrig wie
heute. Das sind schlechte Nachrichten für Putin, Venezuelas Maduro und
einige andere Autokraten. Schwierig ist diese Marktlage aber auch für
die US-Unternehmen, die in Dakota und Texas das relativ teure und
aufwändige oil fracking betreiben. Bei einem Ölpreis von unter 50 $
lohnt sich diese Fördermethode zumindest für neue Anlagen nach
Expertenangaben definitiv nicht mehr. Das aber ist entscheidend, denn
Fracking-Quellen versiegen
vergleichsweise rasch, ständig müssen neue Quellen erschlossen werden.
Die Schieferölvorkommen in Nordamerika gelten zudem als begrenzt. Vor
diesem Hintergrund spricht viel dafür, verstärkt auf erneuerbare
Energien zu setzen. Die Beibehaltung einer starken Abhängigkeit von
Erdöl scheint letztlich weder für Importeure noch für die Förderländer
erstrebenswert. Diversifizierung und technologische Innovation hingegen
haben sich bewährt.
Und doch fragt heute mancher: Warum auf Öl verzichten, wo es doch so billig ist? Aber hierin läge eine Verkürzung. Der Ölpreis mag derzeit noch niedrig liegen, doch das Problem liegt vielmehr darin begründet, dass der Ölpreis insgesamt sehr volatil ist; dass die Vorkommen in den versorgungssicheren westlichen
Industrienationen begrenzt sind; dass viele alternative Fördernationen in
Krisenregionen liegen, nicht selten ökologische und soziale Standards
massiv verletzen; dass diese Standorte westlichen Unternehmen teils
wenig Rechtssicherheit bieten und nicht selten zweifelhaften
politischen Regimen anhängen. Diese Faktoren in Betracht ziehend erscheint eine starke Abhängigkeit von Öl -
insbesondere zu einem bestimmten Marktpreis - nicht als kluge und
nachhaltige Wachstumsstrategie. Was die rentistischen Fördernationen
angeht, die aus ihrem Erd- und Erdölreichtum meist keine diversifizierte
Wachstumsstrategie entwickeln, muss man wohl nicht streiten.
Der Boom in
den USA ist trügerisch und könnte nach Expertenmeinung bald abflachen;
bei den zitierten Marktpreisen sogar früher als gehofft. Es wäre also
gut, die möglicherweise verbleibenden Jahre für kluge Investitionen in eine
diversifizierte Energieversorgung zu investieren.