Am Montag, den 8. Oktober 2012
fand im futureorg Institut ein dreistündiger intensiver Gedankenaustausch
zwischen der Kölner Landtagsabgeordneten Serap Güler (CDU), Vertretern
verschiedener migrantischer communities und den Mitarbeitern der in Dortmund
beheimateten Denkfabrik statt.
Ausgehend von einem Impulsreferat
von Serap Güler, der ersten türkischstämmigen CDU-Abgeordneten im Landtag von
NRW, führten die Teilnehmer eine lebhafte Debatte über die provokativ
formulierte Ausgangsfrage "Müssen "Türken" erst "Deutsche"
werden, um akzeptiert zu werden ?!”. Die Veranstaltung fand im Rahmen des neuen
Talk-Formates Çay Sohbeti (Teegespräche) statt, zu denen die Denkfabrik
futureorg Institut regelmäßig einen kleinen Kreis ausgewählter Diskutanten zu
einem offenen, vertraulichen und machtfreien Diskurs lädt.
Gemeinsam mit Frau Güler / MdL
erörterten der deutsch-koreanische Unternehmensberater Daniel Lee, Hanan
Mourabit, Vorsitzende des Marokkanischen Elterninitiative e.V., der Vorsitzende
des deutsch-türkischen Netzwerkes TD-Plattform, Metin Baran, und Emre Yavuz vom
Gelsenkirchener IBC (International Business Club) mit dem Team des Institutes
den Stand der deutschen Integrationspolitik, die wechselseitigen
Erwartungshaltungen von Mehrheitsgesellschaft und Migranten aneinander sowie
die Potentiale und Möglichkeiten einer verbesserten Vernetzung und Artikulation
der oftmals isoliert agierenden Interessenvertretungen der migrantischen
communities.
Die Diskutanten stimmten
dahingehend überein, dass die traditionelle deutsche Identitätsdebatte durch
die Beiträge der in Deutschland lebenden Migranten und ihrer Nachkommen zwar
bereichert, aber wohl nicht abgeschlossen würde. Die deutsche Identitätsfrage
bleibe virulent, sei daher aber auch als dynamisch und potentiell evolutionär
zu begreifen, worin Chancen begründet lägen. An die Stelle einer bisher nur
diffus formulierten “Leitkultur” solle ein konkrete diversitätsbejahende Vision
treten, die Freiräume zur individuellen Selbstaktivierung und Selbstentfaltung
biete. Um aber einen solchen gesamtgesellschaftlichen Paradigmenwandel zu
befördern, an dessen Ende der heute noch immer wirkungsmächtige völkisch
fundierte Nationenbegriff durch ein modernes republikanisches Leitbild ersetzen
werden könnte, sei eine verbesserte Vernetzung sowohl innerhalb der
migrantischen Milieus als auch zwischen Migranten und Mehrheitsgesellschaft
eine notwendige jedoch keine hinreichende Bedingung.
Vielmehr erachten es die
Diskutanten für bedeutsam, dass die Angehörigen der migrantischen Milieus
selbst aktiv würden, um die realen und gefühlten innergesellschaftlichen Mauern
zu überwinden. Dies könne aber nur geschehen, indem Migranten ihren Anteil an
einem gemeinsamen Land betonten und verteidigten statt Ausgrenzung geschehen zu
lassen und mit Fatalismus zu beantworten. Die Migranten müssten nicht nur an
die Tür klopfen, sondern auch über die Schwelle treten