Mittwoch, 2. September 2020

"Anti-Corona-Demonstrationen" vor dem Brandenburger Tor: Demokratischer Protest sieht anders aus

Die Anti-Corona-Demonstrationen vor dem Brandenburger Tor hielten Kurioses bereit. Laut RND wurde von einem Redner von einer „Meinungsdiktatur” geraunt, die dem Dritten Reich sehr nahekomme. Politik wurde als „Unterhaltungsabteilung der Hochfinanz und der Pharmaindustrie“ abqualifiziert. Die Kanzlerin, führende Virologen und Bundesminister wurden als Kriminelle dargestellt, die man verhaften und einsperren solle. 

Praktisch alle Versatzstücke des Populismus sind gegeben: Völlig unsachliche und maßlose Rhetorik. Zweifelhafte historische Analogien. Das Schüren von Vorurteilen und aggressiver Stimmung, vor allem gegen die Eliten (oder was man dafür hält), gegen Minderheiten, gegen die Wissenschaft und gegen die demokratischen Institutionen und Regeln, gegen demokratische Politik an sich. Eine Negation des Politischen.

 

Dazu larmoyanter Opferkult und verschwörungstheoretisch verbrämter Anti-Kapitalismus, der mehr oder minder subtil mit Antisemitismus angereichert wird. Dieses zersetzende populistische Amalgam ist mit Sicherheit nicht mehrheitsfähig, aber es verbindet eine erschreckend große Anzahl Menschen.

 

Unnötig zu betonen, dass Neonazis hier ohne Probleme anschlussfähig sind und diesen Nährboden natürlich für sich und weitere Mobilisierung nutzen werden. Und das alles offenbar völlig unbehindert. Das irritiert und darin liegt durchaus eine Gefahr für die Demokratie. Auch wenn eine Demokratie solche Proteste aushalten und ertragen muss, so muss doch festgehalten werden, dass demokratischer Protest anders aussieht.