Dienstag, 12. September 2017

Weidel: Die bürgerliche Maske ist der AfD schnell entglitten.

Alice Weidel neben Alexander Gauland zur Gallionsfigur der AfD im Bundestagswahlkampf zu machen, war eine (pausible) strategische Entscheidung der Parteiführung der Rechtsalternativen. Mittels der Spitzenkandidatur von Frau Weidel suchte die AfD, den Wählern den Eindruck zu vermitteln, dass es in der besagten Partei eben nicht nur völkische Nationalisten, Verschwörungstheoretiker, Rassisten und Neo-Nazis gäbe. Das hat nach Lage der Dinge nicht so gut funktioniert. Die bürgerliche Maske ist den Rechtsalternativen auch in diesem Fall doch allzu schnell entglitten. 

Leider ist das kein Grund zur Entwarnung. Die AfD und wir alle können aus dem Experiment Weidel eine Lehre ziehen, die zumindest für Demokraten mehr als ernüchternd ist: Auch ganz ohne bürgerliche Maskerade ist die AfD immer noch für 10% der Stimmen gut. Das heißt: Jeder zehnte Deutsche, der zur Wahl geht, hat also kein Problem mehr damit, eine Partei zu wählen, deren Führungsmannschaft und Wahlvorschläge tatsächlich ausschließlich aus völkischen Nationalisten, Verschwörungstheoretikern, Rassisten und Neo-Nazis bestehen. Jeden Rest geheuchelten Anstands kann sich die AfD in Zukunft also sparen, was der Partei unter anderem ermöglichen wird, noch deutlich weiter nach rechts auszugreifen, ohne um ihre Wahlchancen und die daraus erwachsenden Ressourcen fürchten zu müssen.

Wie konnte es soweit kommen? Was hat zu dieser beispiellosen Enttabuisierung geführt? Was hat die politische Kultur derart zerstört? Diesen Fragen müssen wir uns ehrlich stellen.