Dienstag, 12. September 2017

Verständnis für Russland

Ob man denn nicht doch etwas mehr "Verständnis für Russland" haben müsse, wird in Diskussionen manchmal etwas gar treuherzig, manchmal aber mit durchaus echter Nachdenklichkeit gefragt. Die Frage ist legitim, aber für Krieg mitten in Europa, für die Veränderung von Grenzen mittels militärischer Gewalt, für Annexionen und Gewaltherrschaft darf es kein Verständnis und auch keine Absolution geben. Für den, der das Recht und die Unteilbarkeit der Freiheit achtet, kann es sie gar nicht geben.

Ein weiterer Punkt, der uns ganz direkt betrifft, wird aber oft übersehen: Putins Russland ist der größte Sponsor faschistischer und rechtsextremer Parteien, Bewegungen und Medien in ganz Europa. Diese Unterstützung ist integraler Bestandteil von Moskaus hybrider Kriegsführung gegen Europas Freiheit und Solidarität, gegen Europas Demokratien selbst. Dafür habe ich in der Tat überhaupt kein Verständnis und ich wundere mich, dass ausgerechnet erklärte Antifaschisten diesen Punkt so konzentriert ignorieren.

Wer zu Putin schweigt oder sich gar dazu herablässt, dessen Apologeten zu geben, der oder die braucht über Antifaschismus und die aus rechter Hetze erwachsenden Gefahren für unsere Demokratie eigentlich kein Wort mehr zu verlieren. Jede noch so engagierte Einlassung wäre nur schal, unglaubwürdig und letztlich zutiefst heuchlerisch. Und auch von "Verständnis" sollten solche Personen lieber schweigen, demonstrieren sie doch nicht einmal ein vertieftes Verständnis der politischen Entwicklungen in ihrem eigenen Land.