Mittwoch, 12. April 2017

Dortmund

Bis jetzt ist immer noch ungeklärt, welches Motiv dem Anschlag in Dortmund zugrunde lag. Handelte es sich tatsächlich um das Werk von Islamisten, waren Neonazis oder politische Extremisten ganz anderer Couleur verantwortlich? Wir wissen es nicht. Klar benannt werden, kann und muss zum jetztigen Zeitpunkt aber zumindest eines: Wer drei Sprengsätze gegen einen voll mit Menschen besetzten Bus einsetzt, der ist ein Terrorist, der begeht einen terroristischen Anschlag und der muss auch entsprechend bestraft werden. Verlautbarungen, es gebe keine Anzeichen für einen terroristischen Anschlag, waren angesichts der Faktenlage bereits gestern irreführend und verharmlosend. Mit solchen Einlassungen schafft und gewinnt der demokratische Rechtsstaat kein Vertrauen.

Und noch etwas lässt sich bereits heute konstatieren: Wer auch immer und mit welcher Motivation auch immer diesen Anschlag begangen hat, er oder sie hat Vielfalt, Offenheit und Pluralismus attackiert. Denn eindeutiger und meinetwegen plakativer als im Kader des BVB, der mit erkennbarer Tötungsabsicht angegriffen wurde, können Diversität sowie kulturelle und gesellschaftliche Offenheit kaum aufgezeigt und repräsentiert werden. Im Bus sassen mit und neben Christen und Atheisten auch zahlreiche Muslime, deutsche Nationalspieler (mit und ohne Migrationsgeschichte) sassen neben Menschen mit Wurzeln in Japan, Spanien, Eritrea, Gabun, der Schweiz und der Türkei.

Wussten die Täter darum? Natürlich wussten sie darum. War diese Vielfalt das eigentliche Ziel der Attacke? Das werden wir bald wissen. Und bis dahin sollten wir alle schäbigen Versuche fragwürdiger Kreise, Angst zu verbreiten, Zwietracht zu säen und aus der gegebenen Situation Kapital zu schlagen, einfach ignorieren. Denn gerade dadurch senden wir als Gesellschaft eine deutliche und unmissverständliche Botschaft aus: Wer auch immer hinter dieser ruchlosen und verabscheuungswürdigen Tat steckt, sie haben keine Chance. Gegen die offene Gesellschaft werden sie verlieren.