Samstag, 20. August 2016

Über Symbolpolitik und wirklich notwendige Debatten

Mit innerer Sicherheit hat die eigenartige, und übrigens ebenfalls aus den Ausland importierte, Burka-Debatte tatsächlich nichts zu tun. Katalysator der Auseinandersetzung ist vielmehr ein bemerkenswertes Maß an innerer Verunsicherung. Eine offenbar tiefe Unsicherheit im Hinblick auf unsere eigene Identität sorgt für angesichts der Irrelevanz des Themas teils völlig übersteigerte, teils schrille Abwehrmechanismen. Wer sind wir, wer wollen wir sein? Diese Frage muss immer wieder neu gestellt werden, denn ohne geteilte Identitäten ist Gesellschaft und ein auf gesellschaftlichen Binnenverhältnissen und Normen fußendes und resultierendes Staatswesen kaum denkbar. Wie wichtig sind uns Toleranz, Kosmopolitismus und Grundrechte als Identitätsbausteine? Wie wichtig sind uns Religion und Abstammung? Und was folgt daraus? Wie wichtig ist uns Heterogenität oder im Gegenteil eben Homogenität und der Zwang, diese durchzusetzen? Diese Fragen beschäftigen viele Menschen auf die eine oder andere Weise: Manche sind der Meinung wir müssten so ziemlich alles, was in 70 Jahren erreicht wurde, zur Disposition stellen und neu verhandeln. Manche plädieren dafür, das Erreichte zu bewahren und darauf aufbauend weiter nach Fortschritt zu streben. Was im Ergebnis steht, ist relativ offen. Aber diese Debatte ist es wenigstens wert, geführt zu werden. Und um diese notwendige Debatte aber in konstruktiver und würdiger Weise führen zu können, wird man Visionäre brauchen, vor allem aber Integratoren und Moderatoren. Aus Unsicherheit und Identitätskonflikten entstandene Wut und Populismus - leider allzu dominante Strömungen unserer gegenwärtigen Debattenkultur - sind hingegen destruktive Kräfte.