Mittwoch, 18. Mai 2016

Gesprächsangebot: Der Zentralrat der Muslime stellt die AfD

Die Einladung des Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) an die AfD steht und bringt die AfD unter Zugzwang - und das von gleich zwei Seiten: Für all die völkischen Rassisten und stumpfen Fremdenfeinde in der AfD war allein die Erwägung der Parteispitze, das Dialogangebot der Muslime anzunehmen, ein himmelschreiender Verrat an der vermeintlich gemeinsamen Sache. Für jene bürgerlichen Schichten hingegen, die in der AfD immer noch eine konservative und potentiell konstruktive Partei sehen, wäre die Verweigerung eines bloßen Gespräches mit den Muslimen ein Beleg, dass die AfD doch viel weiter rechts steht und die Ausgrenzung einer ganzen Bevölkerungsgruppe viel pauschaler und kategorischer betreibt, als von deren Vertretern in Talkshows und Interviews gemeinhin behauptet wird. Eine Ablehnung des Gesprächsangebotes könnte die AfD also massiv Stimmen kosten und gerade deren bürgerlichen Gegner ein schlagendes Argument bieten. 

Keine Frage: Die AfD steht angesichts dieser Situation unter Stress. Bisher wollten Petry und Gauland es allen recht machen, den Rechtsradikalen und den Konservativen. In diesem Fall wird das aber kaum möglich sein. Der doppelte Druck ist offenbar so hoch, dass einige AfD-Helden
bereits die Formation verlassen und sich wie Alice Weidel unter fadenscheinigen Argumenten dem Gespräch verweigern, um sich zumindest persönlich aus der innerparteilichen Schusslinie zu nehmen. Herr Mazyek weiss um die Bruchlinien innerhalb der rechtsalternativen "Bewegung". Und er agiert angesichts dieser Lage nicht nur außerordentlich geschickt, sondern auch inhaltlich konsistent. Denn tatsächlich gilt es, die AfD zu stellen und deren Vertreter mit ihren eigenen Aussagen sowie organisatorischen Verstrickungen in extremistische Milieu zu konfrontieren. Dem Zentralrat der Muslime in Deutschland gelingt, woran Journalisten und Politiker der Regierungsparteien so oft scheitern.