Montag, 4. April 2016

Panama-Leaks: Journalismus

Viele Medien in Deutschland behaupten kritisch und investigativ zu sein. Einige kolportieren jedoch einfach, was ihnen im Zuge zweifelhafter Auseinandersetzungen von oft zweifelhaften Quellen mit sehr durchsichtigen Interessen angeboten wird. Anders die Süddeutsche Zeitung: Hier arbeiten wirklich Journalisten, die sich einem Ethos verpflichtet fühlen. Diese Zeitung bliebt für Deutschland und für Bayern unverzichtbar.

Viele ausgezeichnete Journalisten arbeiten aber auch für die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten. Das sollte man bei aller berechtigten Kritik an den gängigen Finanzierungsmodellen, an gewissen Formaten und Gehältern sowie an der Rolle der Parteien in den Rundfunkräten nicht vergessen. Das zeigt sich nicht zuletzt auch daran, dass die Aufdeckung von Panama-Leaks nicht entlang parteilicher Fronten erfolgt, sondern von Putin bis Poroschenko, von Messi über den liberalen argentinischen Präsidenten Macri bis zu den ihm vorangegangenen linksautoritären Kirchners, offenbar alle ins Visier genommen werden, deren Spuren sich in den Datenbergen fanden. Sich mit keiner Seite gemein zu machen, sondern die ganze Wahrheit aufzudecken, die Hintergründe und zugrundeliegenden Strukturen zu ermitteln und fair zu bewerten, das macht echten Journalismus aus. Facebook und die Blogosphäre können das nicht ersetzen. Natürlich. Viele können heute im Internet ihre Meinung zum Ausdruck bringen und dabei einiges bewegen. Doch allein die schiere Masse an komplexen Daten, die sich in derartigen Investigationen ergeben, können letztlich nur große und professionelle Redaktionen mit hochqualifizierten Journalisten bearbeiten (und sich dabei gegenseitig kontrollieren).

Auch Arte, Deutschlandfunk, aber auch die Nachrichten und Nachrichtenmagazine von ARD und ZDF erscheinen in diesem Sinne unentbehrlich. Eine Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und eine darauf folgende wohl von nur wenigen finanzstarken Konzernen und Personen dominierte Medienlandschaft hingegen würden keinen Fortschritt bedeuten, weder in Sinne der Medienvielfalt und Meinungsfreiheit noch hinsichtlich der
der immer noch bedeutsamen Rolle der Presse als Wächter.