Dienstag, 3. März 2015

Edathy - Von juristischen und moralischen Kategorien

Herr Edathy bestätigt die von ihm zuvor kategorisch abgestrittenen Vorwürfe der Staatsanwaltschaft und gibt zu Protokoll, dass er bereue. Eine Schuld habe er damit aber nicht eingestanden. Auch wenn man Justizschelte grundsätzlich für etwas wohlfeil hält, so darf man zumindest dieses persönliche Verhalten Edathys wohl doch als insgesamt schwierig empfinden. Durch Reue, Schuldeinsicht und eine Entschuldigung bei den Opfern eines grauenhaften Systems von Kindesmissbrauch hätte Herr Edathy zumindest eine gewisse symbolische Wiedergutmachung geleistet. Er hätte auch die Chance gehabt, mit sich selbst ins Reine zu kommen. Aber das alles sind keine juristischen Kategorien, sondern ethisch-moralische. Juristisch wurde das Verfahren eingestellt, Herr Edathy ist nicht vorbestraft. Was ich allerdings auch im Hinblick auf die durch den Rahmen des Gesetzes und der Strafprozessordnung durchaus mögliche gerichtliche Einigung nicht nachvollziehen kann, ist der Umstand, dass Herr Edathy offenbar nicht auf die Auflage verpflichtet wurde, eine dauerhafte Therapie durchzuführen. An diesem Punkt stellt sich letztlich doch die Frage, ob man im Zuge dieser Einigung die Interessen der Opfer und ihrer Familien, und auch die Interessen der von Missbrauchskriminalität betroffenen und verunsicherten Gesamtgesellschaft, im ausreichenden Maße berücksichtigt hat.