Freitag, 9. Januar 2015

Religion ist nicht das Problem

"Seit Jahrtausenden ist die Religion der Hauptgrund für die meisten Kriege und gewaltsamen Auseinandersetzungen auf dieser Welt". So konnte man es heute lesen und zwar bei einem durchaus nicht von Ressentiments getriebenem Kopf. Diese Aussage ist jedoch nicht haltbar und zeichnet auch kein historisch kontingentes Bild der menschlichen Kulturgeschichte. Trotz dem Mißbrauch religiöser Motive und Inhalte hat Gewalt tatsächlich immer politische und soziale Ursachen und Zielsetzungen. Religion ist nicht das Problem. Vielmehr ist die Geschichte der Religion mit dem Beginn jener menschlichen Traditionen verbunden, die Gewalt, Gewaltherrschaft und Willkür kritisch zu hinterfragen. Ich empfehle in dem Kontext die sehr verdienstvolle und vielbeachtete Studie von Karen Armstrong "Fields of Blood - Religion and the History of Violence". 

Wer also glaubte Fortschritt und Freiheit damit zu dienen, indem er oder sie dumpf-ignoranten Islamhass durch eine allgemeine Religionsfeindlichkeit ersetzte, befände sich auf dem Holzweg. Hier liegt keine Lösungsansatz für die Suche nach einer friedlichen Koexistenz und auch kein Beitrag für den Kampf gegen Hass und Terrorismus. Nichtsdestotrotz oder gerade deshalb bleibt richtig. Wir dürfen uns von Fanatikern nicht einschüchtern lassen und keinen Fussbreit der offenen Gesellschaft preisgeben. Nicht durch Selbstzensur und nicht durch die Aufgabe von Toleranz, Freihet und Bürgerrechten.