Dienstag, 6. Januar 2015

Dreikönigstreffen der Freien Demokraten

Gestern präsentierten die Liberalen nach einem Jahr innerparteilicher und inhaltlicher Arbeit in Stuttgart ihren Neustart. Man hatte eine Signal erwartet, einen Befreiungsschlag. Und tatsächlich überraschte die FDP mit einem neuen Auftritt. Dieser erschöpfte sich nicht in einem neuen ergänzenden Farbgebung (mit Magenta, der Farbe der österreichischen NEOS) und in einer faktischen Umbenennung in Freie Demokraten, sondern in einem teilweise neuen habituellen Auftreten und in teilweise neuen Themenschwerpunkten. 

Mit Christian Lindner Rede, die all dies vermitteln sollte, konnte man insgesamt doch sehr zufrieden sein. Nicht nur wegen der sehr klaren Aussagen zu Putin und Pegida, sondern vor allem wegen der sehr klaren Bekenntnisse zu Vielfalt, Chancen- und Generationengerechtigkeit, zu Fortschritt und zu politischer, kultureller und wirtschaftlicher Offenheit. Die Rede zielte nicht auf Gefälligkeit. Auf Häme, Populismus und billigen Klamauck hat Christian Lindner komplett verzichtet und auch weitgehend darauf, sich an den politischen Wettbewerbern abzuarbeiten. Kafka und Lessing statt billiger Witze. Allein dies ist schon als ein echter Fortschritt zu werden, denn Politik ist eine ernste Sache. Nicht zuletzt diese Einsicht hatte der alten FDP das Genick gebrochen. Eine Spaßpartei braucht kein Mensch. 

Linder hat mit deiner gestrigen Rede verdeutlicht, dass er Verantwortung sucht und Führung wahrnehmen will. Er hat aber vor allem an unveräußerliche liberale Werte, an den liberal pride seiner Parteifreunde appelliert. Wenn diese Agenda und dieser Stil konsequent durchgehalten und in konkrete politische Projekte überführt werden, können die Freien Demokraten zur Partei eines selbstbewussten und weltoffenen Bürgertums werden und zu einer kreativen modernen Reformpartei. Eine so agierende Mutbürgerpartei würde Deutschland sehr gut bekommen. Denn der Platz einer solchen politischen Kraft ist in Deutschland vakant.