Donnerstag, 20. November 2014

Pioniere der Einwanderungsgesellschaft - Chris Pyaks Einsatz für den immigrant spirit


Die in Deutschland geführten Debatten um Einwanderung sind manchmal bizarr. Es dominieren Bedenken, Vorbehalte und manchmal gar diffuse Ängste. Insbesondere die deutsche Politik zögert, sich dieses wichtigen Zukunftsthemas anzunehmen. Statt dem sich mit aller Macht ankündigendem Fachkräftemangel mit mutigen und pragmatischen  Entscheidungen zu begegnen, wird selbst die Tatsache, dass Deutschland längst zu einem Einwanderungsland geworden ist und von diesem Umstand eindeutig profitiert, selten benannt und vielfach sogar unterschlagen. Geht es um Einwanderung bestimmt nicht Bekennermut den Diskurs, sondern eine eigenartige Verdruckstheit.

Diese Verdruckstheit findet ihren Höhepunkt darin, dass statt des Begriffes Einwanderung der bürokratische Kunstbegriff Zuwanderung ersonnen wurde. Wer für diese etwas drollige Wortschöpfung verantwortlich zeichnet, ist nicht mehr eindeutig zu rekonstruieren. Übersetzen kann man den Begriff übrigens nicht. Er existiert auch nicht in anderen europäischen Sprachen. Das Spanische kennt imigración, das Französische immigration, das Polnische die imigracja und das Englische eben die immigration. Einwanderung eben.

Da es Einwanderer in einem Land aber nicht geben konnte, dessen Politik bis weit in die 1990er Jahre auf der (schon damals völlig kontrafaktischen) Annahme bestand, dass es kein Einwanderungsland sei, musste ein alternativer Begriff für den politischen Sprachgebrauch gefunden werden. Zuwanderung. Einwanderung blieb ein Tabu und den Deutschen sollte begrifflich suggeriert werden, dass die Millionen Menschen, die kamen und hier allen Klischees zum Trotz meist sehr erfolgreich arbeiteten, bald wieder gehen würden. So korrespondierte der Begriff „Zuwanderung“ mit dem ähnlich kruden Begriff „Gastarbeiter“. Während eigentlich niemand mehr von Gastarbeitern spricht, ist der Begriff Zuwanderung geblieben. Die aus diesem Wort sprechende Verdruckstheit auch.

Es wird einiger Pioniere bedürfen, diese Verdruckstheit aufzubrechen. Ein Land, dessen Demographie so beschaffen ist, wie es in Deutschland der Fall ist, kann sich Abschottung, Engstirnigkeit und ideologische Tabus nicht mehr leisten. Diese Einsicht wächst. Die Wirtschaft hat den Handlungsbedarf erkannt. Auch die Politik bewegt sich. Langsam. Schüchtern. Aber immerhin.

Doch wie fast immer ist die Gesellschaft weiter als der Staat.  Hier sitzen Innovation und eben auch die Pioniere gesellschaftlichen Fortschrittes. Chris Pyak ist ein solcher Pionier. Sein Projekt, hundert Arbeitgeber, die englischsprachige Arbeitskräfte aus dem Ausland rekrutieren, nach ihren Bedürfnissen, Anregungen und Erfahrungen zu fragen, verdient jede Unterstützung. Sie können dieses Projekt mittels Crowdfunding direkt fördern: https://www.indiegogo.com/projects/embrace-the-immigrant-spirit

Deutschland braucht wirtschaftliche, politische und kulturelle Offenheit. Deutschland ist ein Einwanderungsland. Wir sollten uns darüber freuen und den im Amerika fast sprichwörtlichen immigrant spirit umarmen. Jeder Beitrag ist willkommen, so wie die Menschen willkommen sind, die mit uns an der Zukunft dieses Landes arbeiten wollen.