Dienstag, 9. September 2014

Salafisten-Schildbürgerstreich

Eigentlich müsste man lachen: Eine Handvoll offensichtlich nah am Schwachsinn verortete Spinner bekleben sich die Jacken mit dem Wort Scharia, spazieren nachts durch eine ziemlich gebeutelte deutsche Mittelstadt ohne nennenswertes Nachtleben und rufen Passanten zu, sie sollten die Finger von Glücksspiel und Alkohol lassen. Damit haben es diese Personen nun in die Meldungen und Kommentarspalten nahezu jedes deutschen Mediums gebracht. Und auch nahezu kein Politiker entblödet sich, über dieses Stöckchen zu springen, das ihm von den sagenhaften Wuppertal-Salafisten hingehalten wurde.

In diesem Salafisten-Schildbürgerstreich findet Beleg, dass so mancher gesellschaftlich eigentlich Randständige aus der radikalislamistischen Szene die politische und mediale "Kultur" Deutschlands ziemlich gut versteht und für seine Zwecke zu nutzen weiß. Zumindest besser als jene Neonazis, die seit Jahren ganze Landstriche zu "national befreiten Zonen" erklären und diesen Anspruch durch eine gewalttätige Selbstjustiz durchzusetzen trachten. Diese brauen Banden haben nicht einen Bruchteil der Publizität erlangt, die den salafistischen Medienprofis aus dem Bergischen Land in nur einer Nacht zuteil wurde.


Auch wurde den Neonazis auch nie der Repräsentationsgrad für "die Deutschen", "die Brandenburger" oder "die Thüringer" zugebilligt wie den islamistischen Extremisten von Wuppertal für die Gesamtheit der knapp vier Millionen Muslime in Deutschland. Und somit haben die langbärtigen Spinner nicht nur mediale Aufmerksamkeit geerntet, sondern auch den ganzen Reigen an Pauschalisierungen über "die Muslime" generiert, die seit jeher den Treibstoff solch radikaler Organisationen bilden. Die Salafisten von Wuppertal mögen in einer Parallelgesellschaft leben, aber sie kennen ihre Pappenheimer.