Donnerstag, 11. September 2014

Kopftuchverbot - Ein alter Zopf

Machen Kopftuchverbote dieses Land freier, gerechter und moderner? Man muss es angesichts der zahlreichen Widersprüche in den amtlichen Begründungen und dem oft völlig willkürlich erscheinenden Regelungswildwuchs im föderal fragmentierten Deutschland bezweifeln. 

Bei jeder Norm und jedem staatlichen Eingriff gilt es zu fragen, wem diese Norm eigentlich nutzt oder wen diese schützt (und wovor). Bei den Regelungen zum Kopftuch, die manche Bundesländer noch immer mit sich herumschleppen, konnte mir das aber noch niemand auch nur im Ansatz erklären. Das Selbstbestimmungsrechte junger Muslima schützen zu wollen, behauptet inzwischen niemand mehr. Diese Aussage war in ihrer Widersprüchlichkeit dann wohl doch ein wenig zu abenteuerlich.


Was bleibt? Die Nicht-Muslime vor einer aggressiven Missionierung schützen? Come on...
Die irritierende Störung der äußerlichen Einheitlichkeit? So ein Argument möchte man in einer freiheitlichen und pluralistischen Demokratie eigentlich nicht gelten lassen. Das gilt im übrigen auch für den Hinweis, in Saudi-Arabien dürfe eine Nonne auch nicht im Habit herumlaufen. Saudi-Arabien ist nicht exakt der Maßstab, den wir an unsere Republik anlegen.


Rational nachvollziehbare Begründungen für Kopftuchverbote scheint es also nicht zu geben. Ein staatlicher Eingriff aber, der nicht hinreichend und im Einklang mit der Verfassung begründet werden kann, mithin ein Verbot also, das niemandem nutzt und niemanden schützt, ist nicht dauerhaft aufrechtzuerhalten. Diesen alten Zopf sollten wir in den Bundesländern und Behörde, die diese restriktiven Vorgaben noch pflegen, endlich abschneiden.