Mittwoch, 7. November 2012

Obama: Diversity rules

Obamas erste Rede war nicht nur eine beeindruckende Evokation des amerikanischen Traums, sondern auch ein daraus abgeleiteter Appell an die Werte von Diversität und Pluralismus: "Egal, wie Du aussiehst; egal, wo Du herkommst; egal, ob Du schwarz bist oder weiß; egal, ob Latino, Indianer oder Asiate; egal, ob behindert oder gesund; egal, ob schwul oder nicht, in Amerika kannst Du es schaffen, wenn Du es versuchst." Deswegen, und nicht wegen seines Militärs, seines Reichtums und seiner Universitäten, sei Amerika das großartigste Land, so der alte und neue Amtsinhaber.

Obama weiß, wem er diesen knappen Wahlsieg zu verdanken hat. Anders als Romney hat er eine Sprache gefunden, um auch Latinos, Schwarze, Muslime und Asiaten zu erreichen, während die Republikaner einmal wieder einen Wahlkampf für zornige weiße Männer organisiert haben. Mit den Stimmen der Wutbürgern aber gewinnt man keine Wahlen. Wahlen werden in der Mitte gewonnen, die in ihrer kulturellen Vielfalt repräsentiert und angesprochen werden will. 

Was in und für Amerika gilt, ist im Grundsatz auch in Deutschland zutreffend: Ohne Diversitätskompetenz sind Wahlen bald nicht mehr zu gewinnen. Man darf gespannt sein, ob die deutsche Parteipolitik nun endlich aufwacht oder weiterhin Wahlkämpfe wie die Republikanische Partei betreibt, der im eigentlichen Sinne des Wortes nicht "republikanisch" war, sondern ziemlich anachronistisch.

Es steht zu hoffen, dass nicht nur Parteistrategen dies- und jenseits des Atlantiks gewisse Anachronismen überwinden, sondern auch die transatlantischen Gesellschaften selbst. Das (Leit-) Bild von dem Land, in dem es jeder schaffen kann; egal, wer er/sie ist; egal, wie er/sie aussieht oder herkommt, sollten auch wir anstreben. Dieses liberale und republikanische Leitbild kann auch Deutschland zu einem besseren Land machen. Für alle Mitbürger.