Mittwoch, 10. Oktober 2012

Teegespräch im Institut


Am Montag, den 8. Oktober 2012 fand im futureorg Institut ein dreistündiger intensiver Gedankenaustausch zwischen der Kölner Landtagsabgeordneten Serap Güler (CDU), Vertretern verschiedener migrantischer communities und den Mitarbeitern der in Dortmund beheimateten Denkfabrik statt. 

Ausgehend von einem Impulsreferat von Serap Güler, der ersten türkischstämmigen CDU-Abgeordneten im Landtag von NRW, führten die Teilnehmer eine lebhafte Debatte über die provokativ formulierte Ausgangsfrage "Müssen "Türken" erst "Deutsche" werden, um akzeptiert zu werden ?!”. Die Veranstaltung fand im Rahmen des neuen Talk-Formates Çay Sohbeti (Teegespräche) statt, zu denen die Denkfabrik futureorg Institut regelmäßig einen kleinen Kreis ausgewählter Diskutanten zu einem offenen, vertraulichen und machtfreien Diskurs lädt.

Gemeinsam mit Frau Güler / MdL erörterten der deutsch-koreanische Unternehmensberater Daniel Lee, Hanan Mourabit, Vorsitzende des Marokkanischen Elterninitiative e.V., der Vorsitzende des deutsch-türkischen Netzwerkes TD-Plattform, Metin Baran, und Emre Yavuz vom Gelsenkirchener IBC (International Business Club) mit dem Team des Institutes den Stand der deutschen Integrationspolitik, die wechselseitigen Erwartungshaltungen von Mehrheitsgesellschaft und Migranten aneinander sowie die Potentiale und Möglichkeiten einer verbesserten Vernetzung und Artikulation der oftmals isoliert agierenden Interessenvertretungen der migrantischen communities. 

Die Diskutanten stimmten dahingehend überein, dass die traditionelle deutsche Identitätsdebatte durch die Beiträge der in Deutschland lebenden Migranten und ihrer Nachkommen zwar bereichert, aber wohl nicht abgeschlossen würde. Die deutsche Identitätsfrage bleibe virulent, sei daher aber auch als dynamisch und potentiell evolutionär zu begreifen, worin Chancen begründet lägen. An die Stelle einer bisher nur diffus formulierten “Leitkultur” solle ein konkrete diversitätsbejahende Vision treten, die Freiräume zur individuellen Selbstaktivierung und Selbstentfaltung biete. Um aber einen solchen gesamtgesellschaftlichen Paradigmenwandel zu befördern, an dessen Ende der heute noch immer wirkungsmächtige völkisch fundierte Nationenbegriff durch ein modernes republikanisches Leitbild ersetzen werden könnte, sei eine verbesserte Vernetzung sowohl innerhalb der migrantischen Milieus als auch zwischen Migranten und Mehrheitsgesellschaft eine notwendige jedoch keine hinreichende Bedingung. 

Vielmehr erachten es die Diskutanten für bedeutsam, dass die Angehörigen der migrantischen Milieus selbst aktiv würden, um die realen und gefühlten innergesellschaftlichen Mauern zu überwinden. Dies könne aber nur geschehen, indem Migranten ihren Anteil an einem gemeinsamen Land betonten und verteidigten statt Ausgrenzung geschehen zu lassen und mit Fatalismus zu beantworten. Die Migranten müssten nicht nur an die Tür klopfen, sondern auch über die Schwelle treten