Donnerstag, 13. September 2012

Für einen "German Dream" - Wir brauchen eine Neudefinition des überkommenen Integrationsbegriffes


Der Landesverband der Liberalen Hochschulgruppen NRW fordert ein eltern- und vermögensunabhängiges Bafög. "Die unklare Lage bei der Einreichung von Bafög-Anträgen stellt für viele Studierende eine große Belastung dar", erklärt der Landesvorsitzende Carsten Dahlmann. Die bürokratischen Vorgänge könnten junge Menschen abschrecken, überhaupt ein Studium aufzunehmen."

Der ausgezeichnete Impuls der Liberalen Hochschulgruppen verdient Zustimmung und Umsetzung, denn er ist Ausdruck einer konkreten republikanischen Vision und eines liberalen Gesellschaftsbildes. Ein eltern- und vermögensunabhängiges Bafög wäre insbesondere aus Sicht junger Menschen mit Migrationsgeschichte ein großer Fortschritt auf dem Weg in die Bildungsrepublik Deutschland. 

Integration heißt: Menschen für dieses Land zu gewinnen. Um aber eine positive Identifikation mit unserem Land zu schaffen, müssen wir einen "German Dream" beflügeln, indem wir jungen Menschen das Vertrauen geben, dass in Deutschland jeder - ohne Ansehen seiner Herkunft - durch eigene Leistung und mit Unterstützung der Gesellschaft aufsteigen kann. Ein eltern- und vermögensunabhängiges Bafög in Form zinsgünstiger Darlehen würde entscheidend dabei helfen, diese Strategie umzusetzen. Eine Nachlagerung oder ein völliger Verzicht auf Studiengebühren, der Aufbau eines Stipendiensystems unter Einbeziehung der Wirtschaft und der Bürokratieabbau im Hochschulwesen können ebenfalls bedeutsame Elemente dieser Bildungsoffensive sein, die eine liberale und auf die Akzeptanz von Heterogenität gerichtete Gesellschaftspolitik flankieren muss. Denn die offene Gesellschaft, mithin die Grundlage unseres freiheitlichen und demokratischen Gemeinwesens, bedarf der Partizipation all ihrer Mitglieder als mündige und emanzipierte Bürger. Hierfür können (und müssen) aber Staat und Gesellschaft durch das Setzen von Anreizen zur Selbstaktivierung und durch die Eröffnung von Realisierungsräumen für Aufstieg selbst einige der notwendigen Voraussetzungen schaffen.

In diesem Sinne müssen wir auch eine Neudefinition von "Integration" wagen und zwar mit der politpraktischen Zielsetzung, einen German Dream zu beflügeln: Integration hieße demnach nicht mehr, obrigkeitsstaatliche Zwangsassimilierung zu betreiben, sondern Menschen für dieses Land zu gewinnen, d.h. ihnen Gestaltungsfreiheit und Realisierungsräume für ein in jeder Hinsicht selbstbestimmtes Leben zu eröffnen. Nach dieser Definition bezieht sich Integration nicht nur auf Menschen mit Migrationsgeschichte, sondern auch auf jene, deren Familien schon lange hier leben und auch auf all jene, die noch kommen, um mit uns diesen German Dream einer heterogenen und offenen Gesellschaft mit realen Aufstiegschancen zu leben.