Donnerstag, 6. September 2012

Die Entscheidung der EZB und die europäische Institutionenkrise

Im Zuge meiner wissenschaftlichen und politischen Arbeit bin ich zu der Ansicht gelangt, dass Finanzkrisen fast immer politische Institutionenkrisen und damit Vertrauenskrisen sind. Krude Verschwörungstheorien hingegen können nur für Dummköpfe und Ideologen eine gewisse Erklärungskraft entfalten.

Helmut Schmidt würde sich dieser Ansicht wohl anschließen. Nach den zentralen Ursachen der Eurokrise gefragt, antwortete er vor einigen Monaten: Fast alle europäischen Institutionen befänden sich in einer "tiefgreifenden Krise". Alle europäischen Institutionen, so Schmidt, mit Ausnahme der Europäischen Zentralbank. Der heutige Tag hat diesen luziden Befund eindrücklich belegt. Helmut Schmidt hat seine analytische Hellsichtigkeit offenbar nicht verloren (und auch nicht den Zugang zu hervorragenden Informationsquellen).

Es ist zu begrüßen, dass die EZB in ihrer zu achtenden Unabhängigkeit eine insgesamt weise und ausgewogene Entscheidung getroffen hat. Doch durch den Schritt des EZB-Direktoriums kann die Eurokrise nicht beendet werden. Die Krise der europäischen Institutionen bleibt auch weiterhin die Wurzel des Problems. Die Europäer müssen sich endlich durch mutige und tiefgreifende Institutionenreformen zu "mehr Europa" bekennen, um das Vertrauen der Märkte und der Bürger in die Dauerhaftigkeit des europäischen Projektes und in die Beständigkeit des Euro wieder herzustellen. 


Diese Aufgabe obliegt uns allen!