Dienstag, 14. Februar 2012

Politposse an der Saar

Die gestrige Ausgabe der Politsendung "saartalk" des Saarländischen Rundfunks war bizarr. Fast wie im postsowjetischen Russland sassen dort die beiden Vertreter der bereits vereinbarten künftigen Landesregierung mit zwei devoten Vertretern des Staatsrundfunks. Alle vier priesen einmütig das menschheitsbeglückende sozialdemokratische Einheitsmodell. Die anderen Oppositionsparteien wurde aus dem Sendestudio ausgesperrt. Man redete nur wenig über die Opposition, und zwar schlecht, aber nicht mit ihr.

Bemerkenswert war auch das Selbstverständnis der politischen Protagonisten. Der adrette Managertyp Heiko Maas (SPD) führte locker-flockig durch das Programm seiner Regierung. Der SPD-Chef machte seine Richtlinienkompetenz damit bereits im Sendestudio deutlich, während die Amtsinhaberin Kramp-Karrenbauer (CDU) völlig resigniert ins Leere blickte statt wenigstens darauf hinzuweisen, dass auch sie (zumindest theoretisch) für das Amt des Ministerpräsidenten zur Verfügung stünde. Ihr Gesichtsausdruck blieb im gesamten Verlauf der Sendung so, als habe sie eine Todesnachricht aus dem nahen Familienumfeld erhalten. Weder Maas noch die SR-Redakteure empfanden große Lust, überhaupt noch das Wort an Kramp-Karrenbauerzu richten. Das galt auch für die immer wieder eingeblendeten Bürger auf der Straße, die Fragen an die beiden Kandidaten stellen durften. Fast alle Fragen gingen an Heiko Maas.

Somit scheint nicht nur die Regierung, sondern auch der Regierungschef vor den Wahlen unverrückbar festzustehen. Man muss sich doch fragen, ob der millionenteure außerplanmäßige Urnengang überhaupt noch mehr darstellt als eine traurige (und dabei peinlich vordemokratisch wirkende) Posse.