Montag, 27. Februar 2012

Klarsfeld und die Linke

Zwei Monate Zeit hatte DIE LINKE für die Wahl eines oder einer Kandidatin für das Präsidentenamt. Zeit genug, sollte man denken. Doch erst nach einer peinlichen Politposse und fragwürdigen Diskussionen um die Eignung der honorigen Aktivistin rang man sich zur Nominierung von Beate Klarsfeld durch. Dabei ging es längst nur noch um Schadensbegrenzung. Doch selbst hier versagen die Linken.

Lange hatte dieses qualvolle und quälende Schauspiel der Kandidatenkür auf dem Rücken der Kandidatin gedauert, doch die demütigende Diskussion der Linken um Kandidatin Klarsfeld findet wohl noch immer kein Ende. Aus heutiger Sicht erscheint es unwahrscheinlich, dass Frau Klarsfeld in der Bundesversammlung auch nur annähernd alle Stimmen der Linkspartei erhält.

Der linke Flügel der Partei sieht Klarsfeld als "komplette Fehlbesetzung" (http://www.jungewelt.de/2012/02-25/026.php) und macht ihr dadurch ein unfreiwilliges Kompliment. Klarsfeld hatte Gauck zum Entsetzen der Stasi-ISOR-Fraktion als honorig bezeichnet. Er habe im Osten gekämpft, sie im Westen. Sie schätze ihn sehr und werde von ihm geschätzt.

Die großen Dame hat damit Versuchen des Missbrauchs ihrer vita durch Ewiggestrige, die Gauck wegen dessen Rolle als Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde verabscheuen, sehr effektiv vorgebeugt. Die von manchen Linken vielleicht erhoffte Ohrfeige von Klarsfeld (wenngleich im übertragenen Sinne) für Gauck wird ausbleiben.

Vielmehr könnte der Schuss für die DDR-Apologeten noch voll nach hinten losgehen. Wie Klarsfeld zu der geschichtsklitternden Bemerkung steht, die DDR sei kein Unrechtsstaat gewesen, kann man sich nun denken. Und diese Frage wird kommen.

Doch nicht nur Klarsfelds Wertschätzung für Gauck bringt die Linken auf die Palme. Vielmehr nimmt man Klarsfeld übel, dass sie über das Existenzrecht Israels eben nicht diskutieren möchte. Ihre Solidarität zu Israel sei "bedingungslos", ihr Antifaschismus daher (und das ist jetzt kein Witz) "eindimensional". Dieses ehrabschneidende Urteil fällt auf seine Urheber zurück.

Man kann nur hoffen, dass der künftige Bundespräsident Joachim Gauck die Bürgerin Frau Klarsfeld mit dem Bundesverdienstkreuz ehrt. Das blieb ihr bis jetzt versagt. Eine glücklichere Lösung hingegen bleibt uns Bürgern versagt, denn bedauerlicherweise kennt Deutschland das Amt des Bundes-VIZE-Präsidenten nicht. Frau Klarsfeld wäre eine würdige!

Was die Linke angeht: Das peinliche Gezerre um eine eigentlich irrelevante Personalie offenbart, dass die Linkspartei (offenbar aus frei gewählten Stücken) regierungs- und politikunfähig bleibt. Lafontaines Strategie, jeden noch so linksextremistischen Wirrkopf in der neuen Partei zu integrieren, hat sich bitter gerächt. Niemals seit dem Zusammenschluss von SED-Nachfolgepartei und WASG war die LINKE so isoliert im deutschen Parteienspektrum. Selbst linke Grüne winken nur noch müde ab, taucht die Frage nach eventuellen Koalitionsmöglichkeiten mit der Linkspartei auf. Indes: Die Frage wird mittlerweile nicht einmal mehr von konservativen Journalisten gestellt.