Mittwoch, 22. Februar 2012

Gauck: Freiheit und Verantwortung

Frau Merkel lehnte Herrn Gauck laut Presseberichten ab, weil dieser ja "nur ein Thema" (Anm.: Die Freiheit) habe. Diese Bemerkung erstaunt. Ist doch das Ringen der Menschen um Freiheit nicht gerade eine anthropologische Fussnote, sondern vielmehr eine wirkungsmächtige Konstante menschlicher Existenz zu allen Zeiten.

Zudem irrte die Kanzlerin hier, denn Gauck hat durchaus ein weiteres Thema, das nach seinem Werteverständnis untrennbar mit dem der Freiheit verschränkt und verbunden ist: Die Verantwortung.

Gauck schreibt in seinem Buch "Winter im Sommer-Frühling im Herbst": "Wer Freiheit als Verantwortung lebt, kommt letztlich bei den besten und tiefsten Potenzen an, die in uns Menschen angelegt sind. Und unsere Seelen belohnen uns dafür, wenn wir uns als Herausgeforderte und auf andere Wesen Bezogene verstehen. Wir erleben Gemeinschaft und Glück." (Gauck 2009: 337). Wer das ernsthaft als Theologie der Herzlosigkeit bezeichnet, muss emotional und moralisch enorm unmusikalisch sein.

Freiheit und Verantwortung- Freiheit zur Verantwortung. Ist das wirklich monothematisch oder ist es vielmehr ein alles überwölbender und alle gesellschaftspolitischen Themenfelder durchdringender Ansatz? Selbst wenn es nur ein Thema wäre, so wäre es ein großes Thema. mehr noch: Diese Schlüsselbegriffe Freiheit und Verantwortung umreißen eine konkrete Utopie. Vielleicht schreckt genau das die Kanzlerin, denn Merkel selbst hat auch nach sieben Jahren noch immer kein überwölbendes Thema für ihre Kanzlerschaft gefunden. Und keine Begriffe, die die Köpfe und Herzen der Menschen erreichen.

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