Donnerstag, 26. Mai 2011

Serbien als EU-Beitrittskandidat

In Serbien ist vermutlich der flüchtige Kriegsverbrecher Ratko Mladic festgenommen worden. Das berichten serbische Medien. Mladic wird vom UN-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien gesucht.

Die Ergreifung des Kriegsverbrechers ist eine gute Nachricht. Dies nicht allein, da nun den Opfern der Massaker in Bosnien späte Gerechtigkeit widerfahren kann, sondern da die energischen Maßnahmen der serbischen Regierung beweisen, dass die Anziehungskraft des Westens und auch der arg gebeutelten EU auf dem Balkan offenbar ungebrochen sind.

Erinnern wir uns: Die Ergreifung von Mladic gilt als zentrale Voraussetzung für einen Beitritt Serbien zur EU. Ohne diesen Anreiz wäre der mutmaßliche Kriegsverbrecher wohl nie gefasst worden. Nur die Aussicht auf die Aufnahme in den europäischen Club gab der Regierung die Kraft, die Kräfte des Nationalismus und Revanchismus zu überwinden, die sich gegen die Auslieferung serbischer Kriegsverbrecher wenden und einen Abkehr vom Westen fordern. Ohne die europäische Perspektive für den westlichen Balkan wäre Mladic wohl nie gefasst und vor Gericht gestellt worden. Darum stehen die Europäer nun im Wort, Serbien den Weg zu Beitrittsverhandlungen zu ermöglichen. Alles andere wäre ein eklatanter Vertrauensbruch, denn den EU-Beitrtt haben den Serben alle demokratischen Kräfte in Aussicht gestellt. Selbst von der CSU gab es diesbezüglich klare Worte!

Serbien einzubeziehen liegt ohnehin im Interesse aller Europäer. Die europäische Perspektive ist für den westlichen Balkan das, was sie einst für Westeuropa war: Ein unentbehrlichesVersöhnungs- und Friedensprojekt. Auf dem Balkan gilt noch heute und vielleicht mehr denn je die Sentenz, die in den 1950ern in Paris und Bonn geprägt wurde: Die Alternative zu Europa heißt Krieg!