Donnerstag, 28. April 2011

Lagodinsky und Kasparick verlassen die SPD

Sergey Lagodinsky ist aus der SPD ausgetreten. Viele andere wenden sich ab. Als ernsthafte Wahloption für Liberale und Migranten hat sich die SPD quasi abgeschafft. Nun ist auch der Jenenser Theologe Ulrich Kasparick, langjähriger SPD-Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär im Forschungs- und Verkehrsministerium, aus der SPD ausgetreten. Ein bitterer Verlust, denn Kasparick gilt über alle Parteigrenzen hinweg als eine moralische Instanz. Vielleicht erkennt die SPD-Führung endlich, welchen immensen Schaden sie angerichtet hat!

Der Entschluss, die eigene Partei endgültig zu verlassen, ist ein schwieriger und schmerzhafter. Ich sage dies aus eigener Erfahrung. Wenn man aber nicht mehr verhindern kann, dass in einer Partei selbst die Reste von Skrupel und Anstand zur Disposition gestellt werden, bleibt einem manchmal nurmehr die bittere Konsequenz zu sagen: "Nicht in meinem Namen!".

Zu einem Austritt kann und soll man niemandem raten. Appelle zum Austritt klingen destruktiv, hohl und leer, denn diese sehr persönliche und weitreichende Entscheidung kann einem niemand abnehmen. Mahnungen an die verlassene Partei, wieder auf den rechten Weg zu finden, sind dennoch unverzichtbar. Sie bezeugen, dass die Frustration einen konstruktive ist und das Parteibuch nicht durch Zynismus oder Fatalismus ausgetauscht wurde.

Appelle aus der Gesellschaft und nicht zuletzt aus den verlassenen Formationen selbst an die Ausgetretenen und Enttäuschten, sich weiterhin vernehmbar zu äußern und Einfluss zu nehmen, erscheinen mir für eine Weiterentwicklung unserer Demokratie geradezu entscheidend. Man kann nur hoffen, Sergey Lagodinsky und Ulrich Kasparick uns als politisch aktive Menschen erhalten bleiben.