Montag, 31. Januar 2011

Frauenquote

Im europäischen Vergleich hat Deutschland erheblich weniger Frauen in Spitzenpositionen von Unternehmen. Die dirigistische Forderung nach einer Quote geht jedoch am eigentlichen Kernthema vorbei: Der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für beide Partner.

Die deutsche Familienpolitik basiert seit jeher auf staatlichen Geldtransfers und nicht auf dem Aufbau einer tragfähigen Infrastruktur für Kleinkinder-Betreuung. Ein Infrastruktur, die nicht - wenn überhaupt vorhanden - einen ganzen Monatslohn vertilgt und zudem darauf ausgerichtet ist, dass Kinder um spätestens 15 Uhr wieder abgeholt werden müssen. So verhält es sich gegenwärtig.

Im Ergebnis bedeuten Kinder in Deutschland zumindest für einen Partner das faktische (staatlich geförderte) Ende von Karriere oder voller Berufstätigkeit - meist trifft das die Frau. Deren Übergang in an Heim und Herd wird vom Fiskus sogar großzügig subventioniert. Die vermeintlich modernen Steuerungs- und Umverteilungsinstrumente Ehegattensplitting und Elterngeld leisten genau dieser "Stilllegung" Vorschub. Denn meist sind nur Lehrer und andere Beamte die einzigen, die aus dem den 12 Monaten Elterngeld wieder zurückfinden in den Beruf.

Eine weitere Folge dieses Politikansatzes: Fast alle deutschen Vorstände sind Männer, haben aber in den meisten Fällen Frau und Kinder. In nahezu 100% dieser Fälle bleibt die Ehefrau faktisch zuhause. Eine Quotierung würde daran nicht viel ändern. Es würden lediglich ein paar kinderlose Frauen und Frauen mit an das Heim gebundenen Hausmännern in die Vorstände einrücken. Am rückwärts gewandten bundesrepublikanischen Gesellschaftsmodell "ein Verdiener und ein Heimchen" würde jedoch festgehalten. Dies im Gegensatz zu Schweden oder Frankreich, wo Frauen in Vorständen tatsächlich die Regel und nicht die Ausnahme sind. Nota bene: In der Regel sind diese Frauen auch Mütter.

Die Quote bekämpft also lediglich Symptome, nicht Ursachen. Durch die Quotierung der Vorstandsposten würde kein Beitrag erbracht, beiden Partnern eine Entfaltung Ihrer beruflichen Möglichkeiten (Karriere oder nicht, Vorstand oder Künstler) zu ermöglichen. In diesem Sinne wäre die Quote vielleicht angewandter Feminismus, aber keine moderne Familien- oder gar Gesellschaftspolitik.

Die schien die Kanzlerin ohnehin nicht im Blickfeld zu haben. Nach nur vier Tagen war der Spuk um die Quote schon wieder vorbei. Merkel machte von Ihrer Richtlinienkompetenz Gebrauch und beendete den Vorstoß ihrer Vertrauten mit einem Machtwort. Die Diskussion um die Frauenquote ist demnach in erster Linie eine inszenierte Schmierenkomödie der Regierung.

Die FDP durfte sich ein wenig als Gegner staatlichen Regelungswahnes profilieren. Die CDU-Minister Schröder und v.d.Leyen durften uns vorspielen, die CDU sei ja eigentlich auf dem Weg zu einer modernen Großstadtpartei und die vermeintlichen siegreichen Konservativen fühlen sich endlich mal wieder einflussreich. An einen familienpolitischen Paradigmenwechsel hingegen ist nicht mehr zudenken. Insgesamt schade!