Samstag, 18. Dezember 2010

Hamburger Spitzenkandidaten: Sozialdemokratische Not und christdemokratisches Elend

Die Hamburger SPD kürte gestern Olaf Scholz zu ihrem Kandidaten für das Amt des Regierenden Bürgermeisters der Hansestadt. Was für ein Fehlgriff! Scholz („Lufthoheit über die Kinderbetten“) ist seit jeher ein hemmungsloser Populist, der als Minister wider jeden ökonomischen Verstand eine Rentengarantie durchpeitschte, die ein kalkulierbares Haushaltsrisiko darstellt. Für die habituell reservierten und ökonomisch hoch beschlagenen Hamburger Sozialdemokraten um Helmut Schmidt, Henning Vorscherau und Klaus von Dohnanyi müsste der Hau-Drauf Scholz streng genommen unwählbar sein.

Sein CDU-Kontrahent Christoph Ahlhaus stellt keine Alternative dar. Obwohl dieser gerne law-and-order einfordert und dabei sogar (kaum durchsetzbare) Alkoholverbote im öffentlichen Raum ins Spiel bringt, ist der ehemalige Innenminister als andere als prinzipientreu. Seinen Vorstössen folgt meist allzu erwartbar der Rückzug mit eingezogenem Schwanz. So nahm auch Ahlhaus aus Machtkalkül Abschied vom Gymnasium und ist jetzt "simsalabim" wieder dafür-zumindest baw (bis aus weiteres).

Vielleicht tritt der wendige Opportunist Ahlhaus jetzt auch wieder als pflichtenloser „Konkneipant“ in die (für ihre ordentlichen Mitglieder tatsächlich schlagende) Studentenverbindung Landsmannschaft Ghibellinia Heidelberg ein. Aber vermutlich haben selbst die mittlerweile mehr Stolz als die völlig auf den Hund gekommene Hamburger CDU.

Der vermeintlich scharfe Hund Ahlhaus hatte sich in dieser Frage ziemlich erbärmlich und ohne erkennbare Reste persönlicher Würde von den Grünen vorführen lassen. Diesen ging es in der sich abzeichnenden schwarz-grünen Götterdämmerung offenbar nur darum, die mangelnde Charakterfestigkeit von Ahlhaus zu demonstrieren. Denn in anderen Städten und Gremien wählten die Grünen zahlreiche echte Mitglieder schlagender Verbindungen in höchste Ämter (z.B. den schlagenden Burschenschafter Peter Schönlein (SPD) zum Nürnberger Oberbürgermeister) - übrigens auch innerparteilich.

So bleibt Hamburg die Wahl zwischen sozialdemokratischer Not und christdemokratischem Elend. Wenn man bedenkt, dass in der letzten Bürgerschaftswahl der vornehme Menschenfänger Beust mit dem geistvollen Zeit-Herausgeber Michael Naumann um die Würde (!) des Bürgermeisteramtes konkurrierte, kann man durchaus von einem fast bemitleidenswerten Qualitätsverlust der classe politique in der Freien und Hansestadt Hamburg sprechen. Die Wähler werden sich Alternativen suchen (müssen).