Dienstag, 23. November 2010

Ihr gehört zu uns

Vor dem Hintergrund der Terrordiskussion macht der Zentralrat der Muslime in Deutschland ein wachsendes Klima der Angst innerhalb der muslimischen Gemeinde aus. Der Zentralrats-Vorsitzende Aiman Mazyek sagte der "Financial Times Deutschland", sein Verband verzeichne in jüngster Zeit eine Zunahme von "Hass-Mails", Übergriffen auf Muslime und Anschlägen auf Moscheen. Mazyek äußerte Befürchtungen vor einem voreiligen Verdacht gegen Menschen muslimischen Glaubens, weil die Trennschärfe zwischen Islam, Terror und Muslimen zunehmend schwinde. Gerade in einer Zeit, in der Muslime vermehrt Übergriffen ausgesetzt und verängstigt sind, brauchen sie deutliche Signale, dass sie zur deutschen Gesellschaft dazugehören, nötiger denn je“, sagte Mazyek der „FTD“. „Wenn wir das nicht tun, spielen wir den Terroristen in die Hände.“

Mazyek Aussagen sind kaum von der Hand zu weisen. Doch geben wir diese deutlichen Signale? Bundespräsident Wulff hat ein solches Signal gegeben. Er wurde dafür teils harsch kritisiert. Wo bliebt das wahrnehmbare und unmißverständliche "Ihr gehört zu uns!" aus den Parteien und der Zivilgesellschaft?

Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Terrorwarnungen dürfen Rationalität und Mitmenschlichkeit nicht auf der Strecke bleiben. Auch vor dem Hintergrund der Bedrohung durch islamistische Terroristen muss differenziert werden. Islamisten berufen sich auf den Islam, doch sie haben kein Recht für diese Weltreligion zu sprechen.

Eine solch absurde kolletivistische Gleichsetzung zum Anlass für Vorverurteilungen einer Religionsgemeinschaft mithin ganzer Ethnien zu machen, ist illiberal und amoralisch. So käme ja auch niemand auf die Idee, die deutsche Arbeiterbewegung mit der RAF zu verwechseln.

Laßt uns nicht dem niederträchtigen Kalkül von Terroristen, Hasspredigern und Rechtspopulisten entsprechen, sondern gerade jetzt und hier unmißverständlich bekennen: Deutsche Muslime, Ihr gehört zu uns! Deutschland einig Vaterland!