Montag, 4. Oktober 2010

Brasilien- Die Frau ohne Charisma

Trotz einer insgesamt guten Bilanz ihres Vorgängers und Mentors Luiz Inácio "Lula" da Silva muss die Kandidatin der Arbeiterpartei (PT), Dilma Rousseff, nun in eine Stichwahl gegen den liberalkonservativen Ex-Gouverneur der Wirtschaftsmacht Sao Paulo, José Serra.
Der Grund für diese etwas peinliche Niederlage liegt (neben dem sensationell gutem Ergebnis der von PT-Renegaten geführten brasilianischen Grünen) ohne jeden Zweifel in dem absoluten Mangel an Charisma und Strahlkraft, der Frau Rousseff zueigen ist. In diesem Sinn ist Dilma eine Art trauriger brasilianischer Gordon Brown, der neben dem sympathischen Amtsinhaber hölzern, verbissen und instinklos wirkt.
Doch Lula da Silva hat "Dilma" aus eben diesem Grunde erwählt. Zu gerne würde er die gehorsame Rousseff nach einer amtszeit wieder abkommandieren, um (mit dann 70 Jahren!) wiederum selbst anzutreten, was ihm die Verfassung bei diesem Wahlgang verwehrt. Denn die Chancen, dass Rousseff trotz ihrer unbrasilianischen Aura gewinnt sind hoch. Zum einen ist Ggenkandidat Serra nur wenig charismatischer als seine Konkurrentin, zum anderen vertritt Serra kein Alternativprogramm. Rousseff wie Serra vertreten eine (neo-) liberale Politik der wirtschaftlichen Außenöffnung, des Freihandels, der Deregulierung und Teilprivatisierung der Staatsbetriebe. Beide stehen für die Verteidigung der Demokratie gegen das Demagogentum des Nachbarn Venezuala.
Wer nun immer auch den zweiten Wahlgang gewinnt. Brasilien kann politische und ökonomische Kontinuität und Stabilität erwarten, dei den Aufstieg des Landes seit 1989 so begünstigt hat.