Mittwoch, 29. September 2010

Wilders ante Portas

Wie konnten die niederländischen Christdemokraten diesem haßerfüllten Populisten nur die Hand reichen? Nach dem Einbezug in die Regierungsverantwortung in Den Haag zieht Wilders in seinem vermeintlichen Siegeszug nun bis nach Berlin - am Vortag der Deutschen Einheit.

Die Einladung der deutschen Wilders-Anhänger aus der peinlichen Formation des CDU-Renegaten Stadtkewitz erreichte mich auf Facebook. Und eben dort sieht man sieht doch recht gut, wes Geistes Kind die Adepten Wilders sind. In aller Regel sind die Gefolgsleute Wilder eben jene, die empört schrien "Sarrazin hat recht", ohne genau ausführen zu wollen, womit denn nun eigentlich.

Nun gilt es klarzustellen: Die Meinungs- und Versammlungsfreiheit gilt auch für abweichende Meinungen- selbst für degoutante Demagogen. Doch Wilders ist genau dies. Ein Rassist, kein Freiheitkämpfer, kein Liberaler! Der große Vereinfacher Wilders ist vielmehr eine fleischgewordene Antithese zu Pluralismus und Freiheit.

Es ist unverständlich, wie man im Hinblick auf Wilders (oder gar Stadtkewitz ) überhaupt eine Bezugnahme auf den Liberalismus wagen kann. Wilders führt Aufklärung und Freiheit zwar im Munde und im Namen seiner "Bewegung" (im Falle Wilders handelt es sich nämlich tatsächlich um eine solche), doch natürlich ist der Verbotsfetischist Wilders als andere als ein Liberaler- egal, wie man den Begriff dreht und wendet. Wer Wilders auch nur eine Abart des Liberalismus attestiert, diskreditiert den Begriff und entspricht dem Kalkül Wilders, seine Ressentiments in die Kleider von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu hüllen. Wilders verteidigt keine zivilisatorischen europäischen Werte. Menschen, die sich - glaubwürdig- auf Kant und Voltaire berufen, tun dies. Wilders verteidigt lediglich seinen ressentimentbewehrten geistigen Schrebergarten.

Wer Wilders intellektuell schmalbrüstige deutsche Adepten kritisiert, kann auch die nicht aussparen, welche seinen Thesen hierzulande den Boden bereiteten und ihm nun als Trittbrettfahrer assistieren. Das populistische Gift ist bereits tief in den politischen Diskurs auch in unserem Lande gedrungen - von links bis rechts. Von Sarrazin über die CSU-Landesleitung bis tief in die Gedankenwelt einer Alice Schwarzer.

Auch Intellektuelle scheinen nicht gegen diese Umwertung der Begriffe gefeit. Selbst Bittner von der ZEIT vergleicht Antiislamismus mit Antikommunismus. Damit stellt er - wenngleich nur implizit- nicht nur Gauck und viele Opfer des roten Totalitarismus neben den Hetzer Wilders, sondern folgt irgendwie auch Wilders in dessen Einstufung der Weltreligion Islam als Ideologie.

Eine Umwertung der Werte- ein xenophober Dammbruch? Fatalismus erscheint vor diem Hintergrund zwar nachvollziehbar, aber dennoch deplatziert. Die wahren europäische Werte der Aufklärung müssen verteidigt und stets auf's Neue errungen werden! So viel naiven Idealismus bedinge ich mir auch weiterhin ausdrücklich aus! Sonst wäre zu vieles umsonst gewesen.