Montag, 13. September 2010

Sarrazins bayerische Trittbrettfahrer

Deutschland ist kein Zuwanderungsland", ließ sich Bayerns MP Seehofer im Interview mit dem Spiegel vernehmen. Hier irrt der Bayer nicht, denn per Saldo verzeichnet Deutschland seit Jahren mehr Aus- als Zuwanderer. Doch Seehofers Aussage ist nicht als analytische Einsicht zu werten, sondern vielmehr als programmatische Ansicht mit der bekannten rechtspopulistischen Stoßrichtung „Das Boot ist voll! Zu unwiderstehlich war wohl die Versuchung, als Trittbrettfahrer Sarrazins die „windfall profits“ des aktuellen xenophoben Dammbruchs zu ernten.

Mit der gleichen Intention – nur ungleich plumper und aggressiver- versuchte sich auch CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. "Wir werden jetzt nicht die Schleusentore hochziehen und eine neue Gastarbeiterwelle auf unser Land rollen lassen".

Diese Einlassung kann in Form und Inhalt nur als völlig inakzeptabel betrachtet werden. Wer solche Metaphern verwendet, sollte sich wohl besser nicht als Schutzpatron der deutschen Sprache gerieren. Auch als Fürsprecher der deutschen Wirtschaft fallen die CSU-Granden komplett aus. DIW-Chef-Zimmermann betonte jüngst: „Nur Zuwanderung sichert unseren Lebensstandard“. Zimmermann unterstrich zudem, der Fachkräftemangel in Deutschland könne bereits in vier Jahren verheerende Folgen haben.

Auch Seehofer hatte dies noch vor kurzem indirekt bestätigt, indem er sich grundsätzlich offen zeigte für niedrigere Hürden bei der Einwanderung von Fachkräften. Aber das war Ende Juli- vor Sarrazin.

(http://www.focus.de/finanzen/news/diw-chef-zimmermann-nur-zuwanderung-sichert-unseren-lebensstandard_aid_549686.html)
(http://de.reuters.com/article/domesticNews/idDEBEE6700BD20100801)