Mittwoch, 29. September 2010

Özdemir und der Individualverkehr

Kuriose Meldung: "Viel Spott hat sich Grünen-Chef Cem Özdemir mit einem Hubschrauberflug eingehandelt. Ausgerechnet zu einem Streitgespräch mit Stuttgarts OB Wolfgang Schuster (CDU) über das Bahnprojekt Stuttgart 21 ließ sich der 44-Jährige im Helikopter vom Flughafen zum Studio in einer ehemaligen Kaserne transportieren. Bezahlt hat das Fluggerät für die knapp 20 Kilometer der Privatsender. Er habe das angesichts des engen Zeitplans zähneknirschend in Kauf genommen, verteidigte sich Özdemir. Für CDU-Stadtrat Philipp Hill hat der Grünen-Politiker damit ein weiteres Argument für Stuttgart 21 geliefert. Nach dessen Fertigstellung könne man in acht Minuten vom Flughafen in die Innenstadt per Zug fahren."
Während die Nachwuchsorganisation von Bündnis90/Die Grünen - die "Grüne Jugend" - am 22.09.2010 ganz ernsthaft forderte, den motorisierten Individualverkehr völlig zu verbieten (http://www.gruene-jugend.de/show/743895.html?searchshow=individualverkehr), nimmt Herr Özdemir in amerikanisch-präsidentieller Manier den Helikopter für die Kurzstrecke des kommunalen Verkehrsverbundes. Der Forderung seiner Jugendorganisation, Autofahrten in der Innenstadt zu vermeiden, wird er damit gerecht, dennoch hat die Situation ein wenig das Geschmäckle der Heuchelei.
Obwohl unser Land im Zuge der Diskussion um S21 eine fast absurde Form der Hysterie erreicht hat, die sich bis in pseudoreligiöse öffentliche Gelübde steigert (http://www.youtube.com/watch?v=Tg-N_sEwf1s), wird der Fall Helikopter sich wohl dennoch nicht zur Grundsatzdebatte ausweiten. Gott sei Dank! Doch die Grenzlinie zwischen Hypokresie und Glaubwürdigkeit kann leicht zum Graben zwischen Bürgern und Politik werden. Daran dürfen auch Vertreter einer Partei erinnert werden, die sich manchma etwas selbstgerecht im Besitz der alleinseligmachenden Wahrheiten wähnt.