Freitag, 17. September 2010

Eugeniker Sarrazin

In dieser Woche vor 75 Jahren wurden die sogenannten "Nürnberger Gesetze" beschlossen. Mit diesen wurde die deutschen Juden juristisch zu Bürgern "zweiter Klasse" erklärt und nahezu all ihrer Rechte beraubt. Auch bisherige Ausnahmeregelungen für Frontkämpfer des Weltkrieges erloschen.
Die nationsozialistischen Rassegesetze von Nürnberg entsprangen der absurden biologistischen Grundannahme, wonach Juden aufgrund ihrer kulturell-religiösen Prägung wie auch ihrer vermeintlichen genetischen Prädisposition keine loyalen deutschen Staatsbürger sein könnten. Deutschland fiel mit dieser menschenverachtenden Jurisdiktion hinter die Aufklärung zurück und schuf zudem die gesetzliche Grundlage für den Holocaust. Hieran muss - auch vor dem aktuellen Hintergrund irritierender Debatten über Vererbungslehre - erinnert werden.
Bereits eine kursorische Lektüre von Sarrazins Buch muss vor dem Hintergrund dieser historischen Erinnerung zutiefst verstören. Von "Integration" hingegen ist kaum die Rede. Sarrazin predigt Zuchtauswahl und biologischen Determinismus - Eugenik im furchtbarsten Sinne des Wortes. Man kann sich nur wünschen, dass dieses unsägliche Buch, welches bereits so viele Brunnen in diesem Lande vergiftet hat, keinen dauerhaften Dammbruch von sozialen und ethnischen Ressentiments verursacht.