Freitag, 3. September 2010

Bürgerwehr der CDU Sachsen-Anhalt

Durch Suggestivfragen generierte Umfragedaten haben meist nur einen geringen Erkenntniswert. Allerdings verrraten sie viel über den Fragesteller, der streng genommen nicht die Meinung des Souveräns sucht, sondern eine Bestätigung der bereits definierten eigenen Politikansätze.
Im vorliegenden Fall befragte die CDU in Sachsen-Anhalt den Bürger per Internetmaske (http://cdu.eckpunkt.de/). Ein Schwerpunkt liegt -wenig überraschend- im Bereich Innere Sicherheit. Der per Fragestellung schmackhaft garnierte Lösungsansatz überrascht dann aber doch. Denn die Christen-Union erwägt offensichtlich ganz ernsthaft die Einführung von "Bürgerwehren" in Harz, Börde und Altmark.
Doch wen oder was um alles in der Welt sollen die bewaffneten Bürger denn bitte abwehren? Droht der "Provinz Sachsen" wieder ein französisches Expeditionskorps wie unter Napoleon? Oder soll mit der bürgerlichen Wehrhaftigkeit gar doch diffusen Ängsten vor vermeintlicher Überfremdung und Ausländerkriminalität Rechnung getragen werden, denen die Politik nicht immer entschieden begegnet?
Laut dem "Sachsen-Anhalt-Monitor" (Institut für Politikwissenschaften Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) waren 19% der Landeskinder der Meinung, Deutschland wäre durch hier lebende Ausländer in gefährlichem Maß überfremdet (2007 meinten dies noch 23 %). Der sozialempirische Kontext spricht eine andere Sprache: Der Ausländeranteil in Sachsen-Anhalt liegt seit Jahren bei knapp 2 %.
Für ein Erklärung des postnapoleonischen "Bügerwehrgedankens" wären wir der CDU sehr verbunden!