Mittwoch, 18. August 2010

”Le Cochon Bourgeois” - Trittins Warnung vor einem ”Rechtsruck in der CDU”

Bundesumweltminister Norbert Röttgen tritt im Mitgliederentscheid über den Landesvorsitz der NRW-CDU gegen den bisherigen Integrationsminister Armin Laschet an. Beide Politiker gelten als Vorreiter einer liberal-progressiven Ausrichtung der CDU. Umso rätselhafter muss die Warnung vor einem „Rechtsruck in der CDU“ erscheinen, die Jürgen Trittin, des Fraktionschefs der Grünen, fast zeitgleich mit Röttgens Kandidatur lancierte.

Trittin mag einer der ältesten deutschen Parteichefs sein, senil ist der alte Stratege deswegen aber noch lange nicht. Der Göttinger weiß vielmehr, dass die Grünen nicht mehr nach links wachsen können. Die alten K-Gruppen und RAF-Apologeten sind längst geschlossen in die Linkspartei marschiert.

Wachsen kann (und muss) grün in der Mitte, wo die CDU fest verankert steht und ihrerseits nach links ausgreift. So kommt der bekennende Linke Trittin in die etwas drollige Position, sich als wahrer Vertreter der neuen Bürgerlichkeit zu gerieren und die CDU ins rechte Schmuddeleck zu schieben. In NRW dürfte dies wohl nicht verfangen. In Bayern aber, wo Teile der CSU nicht allein sozialpolitisch irrlichtern, sondern in der Ausländerpolitik tatsächlich einen Rechtsruck durchdeklinieren , ist ein erhebliches strategisches Potential für die Grünen vorhanden, zu einer genuin bürgerlichen Kraft zu werden.

Es sind unübersichtliche Zeiten. So unübersichtlich, dass sich auch der politische Markenkern gewisser Politiker eher an gastronomischen Präferenzen ablesen lässt, als an ihren öffentlichen Äußerungen: Während Röttgen und Laschet der grün-schwarzen ”Pizza-Connection” entstammen, ist Trittins Lieblingsrestaurant noch immer das Kreuzberger ”Le Cochon Bourgeois” (deutsch: Das bürgerliche Schwein). Zumindest in diesem Punkt ist sich der ehemalige Bürgerschreck Trittin all die Jahre treu geblieben.