Dienstag, 27. Juli 2010

Die Kulturtechnik Politischer Rufmord - Die Hamburger Grünen setzen sich ab

Nach dem Scheitern ihres ideologischen Gesamtschulkonzeptes suchen die Hamburger Grünen, schleunigst aus der - von ihrem Schöpfer Ole v. Beust immerhin „historisch“ genannten - schwarz-grünen Koalition zu fliehen. Da die grünen Senatoren aber nach dem für sie verdrießlichen Diktum der Bürger nicht als schlechte Verlierer - geschweige denn verantwortungslos - wahrgenommen werden wollen, suchen sie eine Eskalation herbeizuführen, die ihnen erlaubt, mit moralinsaurer und empörungsgeladener Prinzipientreue von dannen zu ziehen.

Als probates Instrument zur Lösung der Bindung an den christdemokratischen Koalitionspartner dient eine gut geölte und gnadenlose linksalternative Empörungsmaschinerie. Ist diese erst einmal in Gang gekommen, walzt sie alles nieder. Ratio und Differenzierung lassen die selbstgerechten Weltverbesserer nicht gelten, denn ihre Empörung ist schließlich zielgerichtet.

Die Empörung macht sich diesmal an der (vermeintlichen) Mitgliedschaft des designierten Hamburger Bürgermeisters Ahlhaus in einer Studentenverbindung fest, die allenthalben - wohl wider besseres Wissen- als eine „schlagende Burschenschaft“ tituliert wird.

Zu den Fakten: Ahlhaus war weder Burschenschafter, noch überhaupt Mensuren fechtender ("schlagender") Student. Auch die fragliche Studentenverbindung ist gar keine Burschenschaft, sondern eine Turnerschaft im Coburger Convent (CC) der Landsmannschaften und Turnerschaften. Was, und vor allem ob überhaupt, die Mitgliedschaft in einer schlagenden Verbindung eigentlich zwingend über politische Gesinnung zu sagen hat, wird mangelns Substanz nicht erörtert.

Insgesamt also eine recht dünne Suppe mit dem faden Geschmack des geplanten politischen Rufmords über die Medien, den mittlerweile wohl auch die Grünen beherrschen.

Sekundieren lassen sich die Grünen in ihrer gespielten Empörung ausgerechnet von einem (neben der Abendzeitung aus München) wohl schlimmsten Revolverblätter der Republik (MOPO Hamburg) und von der Hamburger Linkspartei-Frontfrau, Christiane Schneider.

Schneider fordert, Ahlhaus müsse sich "klipp und klar von seiner Vergangenheit distanzieren". Starke Worte für eine aus dem aus dem Kommunistischen Bund Westdeutschlands (KBW) stammende RAF-Apologetin, die bis heute nicht so recht versteht, was an Schüsse auf „Republikflüchtlinge“ so verwerflich sein soll und öffentlich krude Vergleiche zwischen Ajatollah Chomeini und dem Dalai Lama zieht.

Von dieser furchtbaren Allianz der linken Saubermänner wird nun dem biederen, aber auch wenig mannhaft agierenden, Ahlhaus nun allein schon der „Kontakt“ zu einer Studentenverbindung vorgeworfen.

In ihrem Furor sollten die Grünen lieber nicht allzu tief in die Fakten einsteigen. Im Gegensatz zu Ahlhaus war der populäre Grünen-Politiker Rezzo Schlauch während seiner Studienzeit nämlich tatsächlich Mitglied der Burschenschaft Saxo-Silesia (Rezzo Schlauch: „Meine Mitgliedschaft in der Burschenschaft Saxo Silesia hatte für mich keinen politischen Aspekt, vielmehr habe ich hier gute Zeiten erlebt, in denen sich gute Freundschaften entwickelt haben.“). Das ist auch bei den Grünen hinlänglich bekannt.

Korporiert ist übrigens auch der Hamburger SPD-MdB Johannes Kahrs, den die Grünen vielleicht bald gerne zum Bürgermeister Hamburgs wählen würden. Was für ein Farce!

Lebenslangen "Kontakt" zu einer schlagenden Verbindung hatten auch die Herren Wilhelm Liebknecht, Ferdinand Lassalle, MdEP Klaus Hänsch und Ministerpräsident Diederichs (alle SPD). (Exkurs: Relevant erscheint im genannten Zusammenhang der nach dem großen Sozialdemokraten Ferdinand Lassalle benannte Arbeitskreis Korporierter in der SPD: Der "Lassalle-Kreis". (Vgl. http://www.aksk.de/ und http://de.wikipedia.org/wiki/Lassalle-Kreis).) Das galt übrigens auch für die Herren Karl Marx, Heinrich Heine und Egon Erwin Kisch, die – allesamt Journalisten und Redakteure - einen handwerklich so schlecht recherchierten und ressentimentgeladenen Artikel wie jener inkriminierenden Beitrag in der tageszeitung - taz (http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/schlagender-kontakt) ganz sicher niemals goutiert hätten.

Dass sich das emanzipatorisch-aufklärerische Blatt zum Sprachrohr einer solchen Intrige macht, ist beschämend. Diese Art der Berichterstattung stellt ein Armutszeugnis für die Qualitätszeitung dar! Doch in einer wachen Bürgergesellschaft kommt die Strafe auf dem Fuß: Mit der Berichterstattung zum Thema Ahlhaus hat die taz ihre Premiere im "Bildblog" gegeben, der unseriöse und verleumderische Berichterstattung bloßstellt (http://www.bildblog.de/20783/deutschland-deutschland-unter-anderem/). Insgesamt schade!