Donnerstag, 29. Juli 2010

Der Bayerische Verdienstorden wird heute vergeben - ohne Begründung!

Der Freistaat Bayern verleiht heute den Bayerischen Verdienstorden, über den es schon bei dessen Stiftung hieß, er werde wohl zum Vereinsabzeichen von Politikern werden.

Natürlich ist es so gekommen. Dies lässt sich bereits daran ablesen, dass sich die Bayerische Staatskanzlei tatsächlich weigert zu begründen, was die künftigen Träger eigentlich für die hohe Ehre qualifiziere.

Bei einigen Personen sind die Verdienste relativ evident, denn diese zu Ehrenden helfen Behinderten, holen Kinder von der Straße oder dienen den Künsten - meist seit Jahrzehnten. In anderen Fällen hat Ministerpräsident Seehofer aber wohl allen Grund, eine ausführliche Begründung zu verweigern.

Die Tatsache, dass ein Markus Söder den Verdienstorden erhält, lässt ahnen, für welche düstere „Dienste“ die Auszeichnung vergeben werden kann. Sollte Söder einmal selbst Ministerpräsident werden, dürften einige seiner Erfüllungsgehilfen, wie Angela Böhm von der Abendzeitung München, den Orden wohl auch erhalten.

Entsprechend indigniert über die Praxis der begründungslosen Weihe ist auch die – weitgehend verdienstordenslose - Opposition. Sepp Dürr, langjähriger Fraktionschef der Grünen im Bayerischen Landtag nimmt das zum Anlass, einige historische Ressentiments zu pflegen: Er wittert „Gutsherrenart“ und monarchisches Gebaren: "Der Fürst ist keine Rechenschaft schuldig" so spricht Dürr und irrt hierbei gewaltig.

Denn die gescholtenen Fürsten galten im Gegensatz zu den modernen Herrschern Bayerns als überaus redlich, kunstsinnig und liberal. Attribute, die man nicht jedem bayerischen Staatsminister im Kabinett Seehofer vorwerfen könnte. Die Fürsten pflegten zudem den Anspruch, nicht als Diener einer Partei, sondern tatsächlich als Diener des Volkes zu sein. Hierin sahen sie sich durchaus in einer Rechenschaftspflicht. Das kam auch in der Praxis der Ordensverleihung zum Ausdruck.

Der wohl berühmteste Deutsche Orden - der bereits 1740 gestiftete preußische Pour le Mérite – kannte die Ordensbegründung ebenso wie seine militärischen und gesellschaftlichen Pendants in den anderen deutschen Staaten. Die Begründungen mögen nicht immer ganz schlüssig gewesen sein, doch auf eine Ordensbegründung "aus Prinzip" zu verzichten, hätte für die deutschen Fürsten wohl doch etwas zuviel an „Geschmäckle“ besessen. Wie dem auch sei. Damals wie heute galt Goethes Grundsatz: „Ein Kranz ist gar viel leichter binden, als ihm ein würdig Haupt zu finden.

http://www.sueddeutsche.de/bayern/bayerischer-verdienstorden-ruhmestaten-streng-vertraulich-1.980913