Montag, 14. Juni 2010

Vuvuzela

Eine zünftige Fußball-WM schafft Fans wie Medien wohlfeile Gelegenheiten, sich relativ ungestraft nationaler Klischees zu bedienen. Das glückt nicht immer, aber manche gelungene Stilblüten entstehen durchaus. Solange die Grnze zur Gehässigkeit nicht überschritten wird und sich die Kritik nur auf liebevolles "Frotzeln" beschränkt, müssen "Pizza Arrivederci" etc. wohl einfach mit einer Portion Humor hingenommen werden. Die streng auf political correctness ausgerichtete Verwaltung unseres Landes wendet sich von diesem atavistischen Treiben natürlich angewidert und humorlos ab.

Diese vermeintlich edle Haltung der bundesrepublikanischen „petites bonnes hommes“ verursacht jedoch mitunter dilemmatische Situationen_ So erwogen einige - vermeintlich weltstädtische - Stadtverwaltungen, die nervige Vuvuzela zu verbieten, doch solch aggressive Kritik an einem genuinen Ausdruck afrikanischer Populärkultur erschien den administrativen Gutmenschen nun auch irgendwie delikat. Könnte man das nicht als Diskriminierung auslegen?

So greift man in Amtsstuben, Referaten und bei Regierenden Bürgermeistern zu einem etwas erwartbaren, rabulistischen Trick: Die administrative Begründung für ein Trötenverbot wird nicht mit dem schlichterdings ohrenbetäubenden Lärm verbunden, sondern....na klar, mit „Sicherheitsbedenken“.

Die Generalrechtfertigung „Sicherheit“ dient heute - rechts wie links - zur Legitimierung nahezu jeden obrigkeitsstaatlichen Eingriffs von Onlinedurchsuchungen bis zum Verweis von Straßenmusikanten. Nun eben auch für ein Trötenverbot. Klar, man ist eigentlich voll liberal und multikulturell usw, aber es geht doch um die Sicherheit unserer Bürger. Welch peinliche Heuchelei....

Meine Frau hätte weniger Probleme, nervige Aktivitäten zu untersagen. Unsere Kinder wissen ein Lied davon zu singen. Sie würde dabei allerdings nicht so humorlos wirken und irgendwelche Tröten schocken sie schon längst nicht mehr. Stattdessen nennt sie unseren sehr agilen Sohn für die Dauer der WM „Tinnitus“ und unsere zwei Monate alte Tochter „Vuvuzela“.