Donnerstag, 17. Juni 2010

Kampagne gegen Gauck - Die Ausfälle von Jochimsen und die Nominierung von Bischöfin Begrich

Am 17. Juni 1953 demonstrierten über eine Million Menschen in 700 Orten der DDR gegen die SED-Diktatur. Sie forderten freie Wahlen, Meinungsfreiheit und ein geeintes Deutschland. Von Ulbrichts ZK angeforderte sowjetische Panzer schlugen den Aufstand blutig nieder.

Die SED-Nachfolgepartei Die Linke nutzte ausgerechnet diesen Tag, um ihr eigenes Niveau zu unterbieten. So erblödet sich die westdeutsche (!) Präsidentschaftskandidatin der Kommunisten, Lukretzia Jochimsen, ausgerechnet an eben diesem 17. Juni ihre ahistorische Einschätzung kundzutun, die DDR sei kein Unrechtsstaat gewesen.

Diese geschichtsklitternde und atemberaubend ignorante Einlassung wäre an jedem Tag ein Schlag ins Gesicht tausender Opfer gewesen. Eine solche Unsäglichkeit aber am 17. Juni kundzutun, ist an Zynismus und Schäbigkeit wohl kaum mehr zu übertreffen. Die Opfer des Stalinismus, aber auch die Mauertoten und die Häftlinge von Hohenschönhausen und Bautzen, an diesem Tage zu verspotten, entspricht purer Niedertracht.

Zur Erinnerung: "In Leipzig ließ der Stadtkommandant drei Protestierer standrechtlich erschießen. In Magdeburg streckten Rotarmisten drei deutsche Zivilisten in der Nähe des Polizeipräsidiums nieder. In Delitzsch, nahe Leipzig, richteten Polizisten einen 19-jährigen Lehrling und einen 20-jährigen Maurer durch gezielte Kopfschüsse hin. Als Demonstranten in Halle das Frauengefängnis in der Kleinen Steinstraße stürmten, feuerten Soldaten der Kasernierten Volkspolizei in die Menge. Zwei Protestierer starben. Später erschossen Polizisten fünf Demonstranten im berüchtigten Hallenser Zuchthaus Roter Ochse." Allein der 17. Juni forderte mehr als 55 Todesopfer des Volksaufstandes gegen das DDR-Regime. http://www.focus.de/politik/deutschland/17-juni-1953-und150-volksaufstand-das-ende-der-legenden_aid_196926.html. Unter den Todesopfern befand sich auch ein 14 Jahre altes durch Kopfschuss getötetes Berliner Kind.

Der DDR-Bürgerrechtler und spätere Stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Heinz Eggert kommentierte auf meiner FACEBOOK-Seite, dass er sich diese Geschichtsvergessenheit von einer Frau bieten lassen müsse, „die mit Wohlwollen die sozialistischen Experimente vom warmen Kissen der Demokratie und Marktwirtschaft aus betrachtet hat.“ Treffend!

Jochimsens Äußerungen entstanden nicht aus der Situation. Zeitpunkt und Wortwahl sind das Produkt taktischer Planung der Kaderpartei. Dies belegt mit welcher disziplinierten Perfidie Honeckers Erben die Kandidatur des Bürgerrechtlers Joachim Gauck zu unterhöhlen suchen. Dieser sei ein Kommunistenfresser, ein „Mann der Vergangenheit“ giftete man, bis man merkte, dass das keinen irritierte. Darauf folgten abstruse Vorwürfe, Gauck sei quasi ein Günstling der SED gewesen, er habe Privilegien genossen. Nur wenig später erfuhr man, dass diese sogenannten „Privilegien" solche wohl nur in den „Augen des Zellenwärters“ waren.

Noch immer werden Dämonisierung, Denunziation und Diffamierung von den Kommunisten als Mittel zum Zerstören des politischen Gegners genutzt. Dazu gehört die Diskreditierung in den eigenen Reihen. Mit Hochdruck versuchten die Linken, Gauck-Kritiker in der evangelischen Kirche aufzutreiben. Es war klar, dass Gysis Truppe auch dort einen nützlichen Idioten ausfindig machen würde.

In der Tat wurde nun die amtierende Erfurter Regionalbischöfin und Pröpstin Elfriede Begrich wurde von der Fraktion der Linkspartei im Thüringischen Landtag als Mitglied der Bundesversammlung nominiert. Bekanntermaßen ignoriert Begrich die vielfache Verfolgung und Bespitzelung kritischer Geistlicher im Unrechtsstaat DDR, die im verzweifelten Selbstmord des Pfarrers Brüsewitz einen traurigen Höhepunkt erreichte. Ihre Nominierung stellt nicht zuletzt deshalb einen neuen Tiefpunkt der Kampagne gegen Joachim Gauck dar.

Schon seit Jahren verhöhnt Begrich die Opfer des Kommunismus in der DDR, wie auch die Thüringer Landesbeauftragte für Stasi-Unterlagen, Hildigund Neubert (Erfurt) befand. So sagte Begrich erst im Jahre 2008 in einem Interview mit dem Parteiorgan der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) „Unsere Zeit“, der Jubel über den Untergang des Sozialismus in der DDR sei „falsch und moralisch unberechtigt“, weil das Konzept in anderen Teilen der Welt funktioniere.